Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Quellen - Bruder Klausund Dorothea
  
  
Thomas Murner
  
Quelle Nr. 228

  

  
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Zeit: 1528
  
Herkunft: a) Hier würt angezeigt, dz unchristlich frevel ... Gedruckt in der christlichen statt Lutzern im jar, so man zalt MDXXVIII [1528] ..., Bestand: Bürgerbibliothek Luzern; - b) Ein sendbrieff der acht christlichen ort einer loblichen Eidnoschafft ... uff das höchst bittend und ermanendt, by dem alten waren christlichen glauben zu beliben ... Gedruckt in der christlichen statt Lutzern. Anno MDXXIX [1529], Klosterbibl. Wesemlin Luzern; – c) Von des jungen Beren zen vue im mundt, Originaldruck verschollen, überliefert durch Theodor von Liebenau, zusammen mit dem «Bärentestament» von Murner in einem Bändchen, um 1870, pag. 7 (Archiv für Elsässische Kirchengeschichte 1, 1926, S. 165f.)
  
Kommentar: [R. Durrer:] Der streitbare Franziskaner Thomas Murner (1475–1536), der schon durch seine Schriften gegen Luther berühmt geworden war, flüchtete im Sommer 1525 vor der Bauernbewegung im Elsass nach Luzern. Er fand als Prediger und 1527 als Stadtpfarrer Anstellung, griff alsbald als Publizist und Drucker in die Glaubensfehden ein und wurde der literarische Führer der Katholiken. Ein wahres Schimpfgenie, übertrumpfte er die wahrlich auch nicht zahme Polemik seiner Gegner in solchem Masse, dass sich ihr Hass auf ihn konzentrierte. Es wirkt beinahe komisch, wie ihm gerade die aus dem Reiche stammenden Wortführer der schweizerischen Reformationsbewegung seine «schwäbische Geschwätzigkeit» zum Vorwurf machten. Beim Abschluss des ersten Landfriedens 1529 war er als Ausländer gezwungen, das Feld zu räumen. – In den beiden Schriften über die Berner Disputation [Streit um die reale Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie], die die direkte Ursache seiner Flucht wurden, hat Murner auch den Bruder Klaus erwähnt .
     [R. Amschwand:] In dieser zusätzlichen Quelle beruft sich Thomas Murner auf das Ansehen Bruder Klausen: Das in der 2. Hälfte des Jahres 1528 gedruckte Gedicht «Von des iungen Beren zen vue im mundt» ist ein Gegenstück zu Murners Bärensatire «Des alten christlichen beeren testament». Der alte Bär ist das katholische Bern, der junge Bär ist das abgefallene und darum kranke Bern. Dem zahnkranken jungen Bären können die eigenen Ärzte, die Freunde der Neuerung, nicht helfen, sie verschlimmern nur das Übel. Gute, fromme Berner schicken um Hilfe aus nach Luzern, wo Murner wohnt. Dieser sendet einen lateinischen Heilssegen, der im Sinne einer Beschwörungsformel dem Übel abhelfen soll. Da der kranke Bär die Formel nicht deuten kann, lässt ihn Murner nach Unterwalden schicken und sich bei vielleicht noch lebenden Freunden Bruder Klausens um eine Auslegung des Murnerschen Segens erkundigen. Der kranke Bär spricht: [Text b]
  
Referenz: a)
Robert Durrer, Bruder Klaus-Quellenwerk, 650-651; – b) Rupert Amschwand, Ergänzungsband, 204

  

   a) Ich habe ganz und gar dafür [bin ganz und gar der Meinung], dass die Ehre Gottes allen Christen seit 15-hundert Jahren mehr zu Herzen ging als diesen evangelischen Ketzern. Und es ist uns allen bekannt, dass Bruder Klaus von Unterwalden auch die Ehre Gottes gesucht hat und in 19 Jahren nie menschliche Speise ass und glaubte dennoch an die Gegenwart Christi, die er empfing im hochwürdigen Sakrament des Altares, und Gott war ohne Zweifel mit ihm. Ich achte auch diese Berner Disputation nicht sehr hoch, dass die Wohlfahrt der gemeinen Christenheit durch diese gefördert und erhalten werde. Denn es ist, bei Gott, Narrenwerk und völlig hochmütige Vermessenheit, das liesse ich für ein paar Hosen gelten.
      
b)
[Sendbrief, Kommentar zur Antwort der Berner an die acht katholischen Orte:] Bern: – zu all dem hat sich die Zwiespalt mehr und mehr vermehrt, darum hat es uns als fruchtbarer gedünkt, ein allgemeines Gespräch zu halten. Nicht dass wir uns unterstehen, einige Änderungen vorzunehmen in unserem alten heiligen christlichen Glauben, in den zwölf Artikeln, die von unseren Voreltern verfasst und bekannt wurden, dem besonders treu nachzukommen – Murner: Sie mögen dem treu nachkommen, was ihre Voreltern im Glauben bekannt haben. Und wie es oben steht, haben ihre frommen Voreltern diesen bekannt, der ganz gegen sie ist, so müssten sie von diesem von ihnen erdichteten Lumpenwerk sofort Abstand nehmen. Sie haben einen frommen heiligen Ehrenmann in der Eidgenossenschaft gehabt, Bruder Klaus aus Unterwalden, der ohne Zweifel ein grosser Gottesfreund war. Warum lernen sie nicht von ihm Christus Jesus im heiligen Sakrament bekennen, welches der fromme heilige Mann so oft mit grosser Andacht empfangen und genossen hatte. Aber sie verheissen viel und halten wenig.
    
c)
[Von des jungen Bären voller Zähne im Mund, Verse 188-198]
Der Segen ist lateinisch gewesen,
So dass ich ihn wahrlich nicht konnt’ lesen,
Und hat seinen Segen keiner verstanden.
Darum habe ich meine Botschaft gesandt
Nach Unterwalden in das Land,
Wo Bruder Klaus gewohnt hat’,
Der auch vielen geistlichen Segen erbat
Tag und Nacht vor Gott unserem Herren,
Ob da noch Freunde von ihm wären,
Die mir Doktor Murners Segen,
Verständlich könnten auslegen.
    
  
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