Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Das Sachsler Meditationsbild
Speculum Humanæ Salvationis – Ein Spiegel des christlichen Lebens
  
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4. Teil – Pilgertraktat und Gundelfingens Historia
  

Hier nun noch die Synopse (Gegenüberstellung) des anonymen Pilgertraktats und der Historia Nicolai von Heinrich Gundelfingen in der jeweiligen Originalsprache, spätes Mittelhochdeutsch / frühes Neuhochdeutsch mit zahlreichen Dialektidiomen im Pilgertraktat, bzw. nachgeahmtes klassisches Latein bei Gundelfingen. **
  • Am Ende des jeweiligen Textes in Klammern die Angaben betreffend des Quellenwerkes von Robert Durrer, Bruder Klaus mit Seitenzahl und Zeilenzahl (abgekürzt: D,x,y).
      

Pilgertraktat · (Quelle 048)

Historia Nicolai · (Quelle 052)

1) Und er hůb widerumb an czů reden und sprach czů mir: Ob mich nitt verdruß ich wilt dich auch sehen lassen mein bůch, darinn ich lern und sůch die kunst diser lere. Und er trůg mir her verczaichnet ein figur in der geleichnus als ein rad mit sechs spaichen in diser gestalt als hernach volget. (D,363,4–7)
  
«in diser gestalt» fehlt in den Nürnberger Ausgaben (B und C).

lllas aliasque istiusmodi rotae mysticitates anagogiasque prout eremita noster in suo libro, id est rota sua edocuit, ... (D,435,12–15)

2) Und er hůb an und sprach zu mir: Sihest du dise figur? Also ist das gỏtliche wesen. In dem mitelen punckten, das ist die ungeteÿlt gotheÿt, darinnen sich alle heÿligen erfrewen. Die drei spiczen, dÿe do geen in den punckt des inwendigen czirckels, das seind die drei person und geent auß von der einigen gotheÿt ... (D,364,1–4)

Et veluti sua potentia tres personae radiolorum egrediuntur acumen,... (D,434,5f.)

3) ... und haben umbegriffen den himel und darczů alle welt, dÿe seind in irem gewalt. (D,364,4–5)

... cœlum totumque mundum complecitur. (D,434,4f.)

4) Und als sÿ außgeent in gỏtlichem gewalt, also geend sÿ ein, und sind einig und unteÿlig in ewiger macht, das bedeüt dise figure.
(D,364,5–7)

...ita per latum aliorum trium radiolorum in eadem potentia regrediuntur atque divinitatis speculo infiguntur. (D,434,7-9)
(div. speculum, vgl. Ziff. 10)

5) Nun will ich dir auch sagen von der reinen magt Maria, die do ist ein küngin der himel und der erden, die ist fürsehen worden durch die gỏtliche weißheit. Dÿ selbig hat sÿ umbgeben, als bald ir got gedacht, das sÿ solt empfanngen werden. Darumb ist sÿ in der gedechtnuß des hỏchsten gottes ee empfangen worden, dann in dem mủterlichen leib. Und die selb genad mit großem heil ist eingangen in diser verimschung (sic ! ), darumb ist sÿ rein, czart und unbefleckt. Also ist außgangen die krafft des aller hỏchsten und hat sÿ umbgriffen und ist krefftiklich erfült worden deß heiligen geistz. Als du sichst in dem rad von dem inwendigen punckt des innern zirckels ein grosse brait und wirt hinauß ein kleins spiczel. Nach bedeütung und form der spaichen also ist der großmechtig got, der do bedekt und umbgreifft alle himel, der ist eins kleinen kindelins weiß auß der hỏchsten iunckfrawen unversert ir junckfrawschaffte ingangen und außgangen. Den selben czarten leib hat er unß geben czů einer speiß mit seiner untailigen gotheit. Als du sichst dise spaichen, die auch brait ist bei dem innern zirckel des mindren puncktz und herauß klein ist gegen dem aussersten zirckel, also ist die groß mechtigkeit got des almechtigen in diser kleinen substancz der hostia. (D,364,7–21)

... praecipue cum in duobus radiolis, qui divinitatis speculo secundum latum innectuntur divinissimi eucharistiae sacramenti, nativitatisque Christi mysteria atque intemeratissimae virginis et matris Mariae singularissimae sua patronae praeconia, quomodo a fulgidissimo divinitatis speculo per singularem spiritus sancti obumbrationem concepit, contemplatus sit. (D,435,15–23)

6) Nun merck mer ein spaichen des rads, die auch brait ist bei dem innern zirckel und gen dem aussern klein, das ist die bedeütung unsers lebens, die gar klein und czergengklich ist. In der selben czeit, do mügen wir verdienen durch die liebe gottes ein unaussprechenliche freüd, die do nÿmmer end nÿmpt. (D,364,21–25)

Qualiter per tertium secundum latum radium, divinitatis speculum tangentem, vitam nostram brevem transitoriamque parvo tempore maxima, infinita, ineffabiliaque in regno cœlorum gaudia obtinentem, ... (D,435,23–28)

7) ...

... hoc tres radioli (qui secundum acutiorem partem divinitatis speculo innituntur) designant. Intellectus namque noster a latiori via, hoc est per sensibilia in divinitatis causam, quae subtilis est atque acuta tendit; novissima autem radiorum pars, secundum incarnationis passionisque causam ampla lataque est.
(D,435,4–12)

8) Das ist dÿe bedeütung meines rades. Dise wort erfrewten mein hercz. Also sprach er und redt zů mir. (D,364,25f.)

... idem eremita noster ostenderit, ... (D,435,28)

9) Also gedachte ich in meinem herczen, wie ich mỏchte in meiner vernunffte disen grund erfinden des rades, das er mir gezaigt het. Ich bat got, dz er mir dise genad verlihe, dardurch geheiliget mỏcht werden sein name. Secht und ich gedacht und machet ein geleichnuß dÿsem rade und seczet auff jede spaichen des rades ein figur, damit ich daz guetlich versteen mỏcht, ... (D,365,29–31+368,1f.)

Per sensibilium sane effectuumque apud nos causatorum cognitionem, in incomprehensibilis divinitatis notitiam discursiva quadam reflexione devenire poterimus; ... (D,435,1–4)

10) ... So sỏllent ÿr fleißig mercken des innern czirckels des benannten radts, als mich der lieb vatter brůder Claus gelernt hat, in diser bedeütung den klaren spiegel des waren lebendigen gottes. In disem ist unaussprechenliche freüd und wunn ÿmmer und ewigklichen. Denselben gotlichen spiegel secz ich hier nach gestalt eines menschen bild, ... (D,368,13–17)

Nonne etiam ipsam rot[a]e picturam, quam suo in oratorio depingere fecit in spiritus sancti gymnasio didicit, in qua totius divinitatis speculum splendissimum effulsit; ...
(D,433,31–35)

11) ...wie wol es mir nit recht grundtlich wissent ist, ... (D,368,17f.)

... alijs ab eodem satius edoctis relinquo. (D,435,29)

12) ...yedoch secz ich es also, das der herr sprach: Wir wỏllen machen einen menschen nach unserm geleichen und bildung, wiewol man das in ander weg brobieren mag. Doch so sprich ich, das got von himel ist gestigen und hat an sich genommen menschliche bildnuß. (D,368,18-21)

13) ... Darumb hab ich geseczet ein bildnuß menschliches angesichtes. Auß dÿsem gỏtlichen angesicht geent auß drei figur, das seind dye ersten drei spiczen in disem rad. Wann das ein spiczel der spaichen geet auß von dem gỏtlichen or. Das sollen wir also versteen, das got alle ding wissent seint künfftige und vergangne, und west wie er alle ding beschaffen wolt in wỏlicher weiß, form und gestalt, ein yetliche creatur in seine geleichnuß und ein jetlichß zů meren durch seinen samen. Darumb ist er ein schỏpfer aller ding und ein vater diser aller, wann er hat sÿ gemachet. Davon wirt er wol geheÿssen ein vatter in der ersten person. Wann er ist vor und nach ewiglich in seinem fürnemen, und in seiner gedechtnuß seind sÿ ee geboren und gemacht worden. Nun sollen fürbar mercken die andren spaichen in disem rad, das mitt einem kleinen spiczen zaiget in das klar angesicht gottes. In einer sỏllichen geleichnuß sam es außgee von sein gotlichen augen, das mügen wir in sỏllicher liebe für unß nemen, das er der got ist, der alle ding sicht und ÿm ist nichcz verborgen. Sein gỏtlicher spiegel waist und sicht alle ding. Darumb sahe er unser groß ellend, das wÿr hetten durch die verwandlung des apfels und das wir seiner gỏtlichen klarheÿt solten beraubt sein ... die barmhertzigkeit gewan dz rechte und ward erkant, das got seinen eingebornen sun schicken solt unnd da an sich nemen menschliches fleÿsch, domit solt er den val widerbringen. Also ist außgangen die ander person, das ist der sun gottes, und ist mit got vereinet in ewigem wesen, untailig immer und ewigklichen. Nun secht und merckt die dritten spaichen, die mit der klein auch geet in disen gỏtlichen spiegel des klaren angesicht gottes, als zů geleicher weiß, dann ob es gieng auß seinem gỏtlichen mund. In sỏllicher verstendihkeit: wann er ist der brunn, do alle weiß heÿt außfleüst und teÿlt sÿ mit wer ir auß rechter lieb begert. Das ist die süß einflüessung des heÿligen geÿstes, dardurch wir empfahen mügen, das wir sein klare gotheÿt ewigk lichen mügen ansehen. (D,368,32-369,8.12–21)

... ubi tres radioli suas iuxta acies in interiori circulo divinitatis faciei infiguntur, a qua personarum trinitas, tres iuxta potiores trinitatis operationes, creationem videlicet, passionem dominicamque annuntia tionem, ab aure oculo oreque faciei splendissime divinitatis ab acumine in latum emanare solet,...
(D,433,35 – 434,4)

14) Das seind dise drei person, die von der einigen gotheit außgangen seind und umbgreiffent mit irer grossen krafft und weit himel und erd, und seind einig in ewiger macht immer und ewigklichen. (D,369,21–23)    

  
** Huber, Der göttliche Spiegel, Europ. Hochschulschriften, 23/164, 17–22

  
Autor: Werner T. Huber, Dr. theol.        © 1981–2017
  
Studie «Das Sachsler Meditationstuch» als Druckversion (PDF)
  
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