Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
   Home  
   Inhalt  
   Quellenwerk  
   Brunnenvision  
   Meditationsbild  
Stanser Verk…
Adrian v. Bub…
  Und Dorothea ?  
   Suchen  
   Kontakt  
    
 nvf.ch
 
      
  
   Quellen - Bruder Klausund Dorothea
  
  
Sebastian Rhaetus (Ranftkaplan),
Reimsprüche und Biographie
  
Quelle Nr. 221

  

  
 … direkt zur Quelle, Kommentar überspringen

Zeit: 27. Oktober 1521
  
Herkunft: Reimsprüche [Sprüche]: Sammelband in der Nationalbibliothek in Neapel (Bibliotheca Nazionale) mit §en, Sammelhandschrift m. Signatur XIII. AA. 35, fol. 42r44r (alte Pag. 1–5; Abschrift von Ulrich Witwyler, 1571, Zentralbibliothek Zürich, Bestand der Stadtbibliothek, G. XXV. 1024) Biographie: Sammelband Neapel, fol. 4453 (alte Pag. 6–24) 2 Gebete: Pfarrarchiv Sachseln, Prozessakten 1647 (u. 1648) (Originalbeleg und Reinschrift zum 27. Juli 1647 für das Examen der schriftlichen Quellen)
  
Kommentar: Sebastian Rhaetus ist zwar kein unmittelbarer Zeit- und Augenzeuge, dennoch ist seine 34 Jahre nach Bruder Klausens Tod erschiene Biographie von grosser Bedeutung. Er war nämlich eine gewisse Zeit Ranftkaplan (Durrer, Quellenwerk, 629) und kannte so viele Einzelheiten und Zusammenhänge durch mündliche Überlieferungen. Aber auch schriftliche Quellen benützte er für seine Arbeit: das Sachsler Kirchenbuch (Quelle 053) und die Biographie von Heinrich Wölflin (Quelle 072). Viele Paragraphen finden sich denn auch beinahe in vollständigem Wortlaut wieder in den biographischen und wohl etwas authentischeren Beschreibungen des Kirchenbuches und Wölflins. Die Biographie von Wölflin war zudem lateinisch abgefasst, Rhaetus wollte eine deutsche. Etwas eigenständiger scheinen die Visionsberichte zu sein, oder aber diese verweisen zusätzlich noch auf eine andere Quelle. Vermutlich sind es die Berichte von Caspar Ambühl (Quelle 068); hiervon wird allerdings die Pilgervision sehr verkürzt wiedergegeben. Die Brunnenvision weist jedoch eher auf die Version von Caspar Ambühl hin – nicht jedoch die «zehn Stufen», die wir so bei Wölflin finden. Zwei Details – der graue Rock und der Name «Ritter» – weisen ausserdem noch darauf hin, dass Rhaetus wahrscheinlich auch den Bericht von Albrecht Bonstetten (Quelle 015) kannte.
  
Robert Durrer kannte bei der Zusammenstellung seines Bruder-Klaus-Quellenwerks nur fragmentarische Abschriften der Bruder-Klausen-Legende (die Bezeichnung «legend» stammt von Eichhorn, siehe: Durrer, 629), das vollständige Original hielt er für verloren. Was allein schon der Name Rhaetus auf Deutsch und damit richtig heissen soll, ist für ihn völlig unklar. Der Dominikaner und Historiker P. Thomas Käppeli entdeckte 1948/49 in der Nationalbibliothek in Neapel die Originalhandschrift, sie war in einem Sammelband von Handschriften, der speziell für den Seligsprechungsprozess zur Ritenkongregation nach Rom gesandt wurde, wo er aber später nicht mehr gefunden wurde – er wurde aber auch nicht nach Sachseln oder Sarnen zurückgesandt. Schliesslich kam er 1948 in der erwähnten Bibliothek wieder zum Vorschein.
  
Im Gegensatz zur lateinischen Vorlage von Heinrich Wölflin (Quelle 072) geht Rhaetus (an der entsprechenden Stelle, im §28) mit keinem Wort auf die legendäre «Schreckensvision» ein, was den Schluss zulässt: Wölflins Erzählung in diesem Punkt basiert auf einer Missdeutung einer Kopie des farbigen Meditationsbildes, welche sich nach dem Tod von Bruder Klaus in der Ranftzelle befand. Sebastian Rhaetus, der Ranftkaplan war, hätte aber durchaus den tatsächlichen Bestand einer solchen Vision beurteilen und würdigen können.
  
Bemerkenswert sind die Sprüche – Reimsprüche – die vor dem Auffinden des Sammelbandes in Neapel immer erstmals bei Ulrich Witwyler veröffentlicht geglaubt wurden. Die Abschrift Witwylers ist identisch bis auf den Zeilenumbruch mit den jeweiligen Reimen am Ende der Zeilen. Anders bei Rhaetus, hier befinden sich die Reime in der Mitte der Zeilen. Das lässt vermuten, dass auch er von einer heute nicht mehr auffindbaren Vorlage abgeschrieben hatte und dabei nicht auf die Versform achtete (ein Unterfangen, das jedoch an sich nicht leicht ist). Wer war der Autor der Sprüche? Bruder Klaus konnte nicht schreiben. Es ist trotzdem durchaus denkbar, dass er mit der Entstehung des Inhalts zu tun hatte – wenigstens teilweise, als Ergänzung bereits bestehender Motive. Wahrscheinlich hatte ihm Bruder Ulrich dabei geholfen und diese Sprüche dann aufgeschrieben. Für eine grosse Zuverlässigkeit der Überlieferung spricht, dass Rhaetus Kaplan im Ranft war und sich so nahe an mündlichen und schriftlichen Quellen befand. Sucht man im übrigen für diese Reimsprüche ein literarisches Vorbild, dann findet man es weiter zurück im Mittelalter, in den Minnesängen des Buches «Das fliessende Licht der Gottheit» der Zisterzienserin Mechtild von Magdeburg (gest. um 1280, Handschrift in der Stiftsbibliothek Einsiedeln).
  
Vom Inhalt der Reimsprüche ist von grosser Bedeutung, dass darin das Leitmotiv des Eremiten im Ranft sichtbar wird: Das Leiden Gottes [Leiden Jesu, Passion Jesu, Passion Christi] im Herzen zu tragen und zu jeder Zeit zu betrachten. In der Zusammenschau mit anderen Quellen, mit dem Bericht des unbekannten Dominikaners (Quelle 005), einem Kernsatz in dem bekannten Brief des Einsiedlers an den Rat von Bern (Quelle 031) und den 15 Passionsbetrachtungen (Quelle 055) gewinnen die Reimsprüche an Authentizität, sie sind ein glaubwürdiges Zeugnis für die Spiritualität von Bruder Klaus. Dieser spricht gerade im Brief nicht vom Leiden Jesu oder Leiden Christi, sondern vom Leiden Gottes. Und genau in diesem Punkt besteht in den Sprüchen eine deutliche Übereinstimmung. Das meditative Verbergen in den Wunden Jesu bringt die wahre Lebensfreude, dadurch erfährt die Brunnenvision im dritten Spruch eine weitere Deutung: Bruder Klaus nennt Jesus Christus «Brunnen aller Gnaden und Tugend». Das Leiden Jesu erfährt bei Rhaetus noch eine weitere Nennung: im §21 seiner Biographie erweitert er die etwas knappen Angaben Wölflin genau um dieses Thema, was im ganzen Zusammenhang der Zeugnisse über Bruder Klaus durchaus glaubwürdig ist.
  
Auch das Symbol der Lilie findet sich in den Reimsprüchen. Der ältere Namen dafür ist «Ilge», bzw. auch «Gilge», der wiederum sprachlich verwandt ist mit dem Adjektiv «heilig». Rhaetus spricht vom «Lilienschein» [Heiligenschein] – bzw. in der Originalsprache: «gilgenschein» (Witwyler, in: Durrer, 786) – der in der Seele entsteht, wenn die Gottheit hineinscheint. «Wenn sich Gott in der Menschen-Seel’ sonnet, es im Himmel blüet und wonnet.» In der Ikonographie ist die Lilie oft ein Attribut der Heiligen.
  
Von Sebastian Rheatus stammt höchstwahrscheinlich auch das Epitaph in der Solothurner Handschrift S 630, im Anschluss an die Abschrift von Heinrich Wölflins Vita (Quelle 282)
  
Referenz: Biographie: Rupert Amschwand, Ergänzungsband, 156–170 – 2 Gebete: Robert Durrer, 631 – [die Reimsprüche werden bei Ulrich Witwyler aufgeführt]

  

   [Vorangestellt sind die Reimsprüche – siehe bei Ulrich Witwyler, Quelle 262]
                Ich will euch sagen eine Lehr,…
  
 Reimsprüche (Rhaetus/Witwyler)
  
Eine Vorrede über das Leben von Bruder Klaus
  
Auf dass wir auch Tugenden lieben und den heiligen Menschen und ihrem Lebenswandel nachfolgen; denn niemand hat die Tugenden wahrhaftig lieb, als wenn er den Tugenden gemäss lebt. Und Angleichung der Sitten bringt die Anzeichen der einen Heiligkeit. Demgegenüber bringt ein ungleiches Leben grosse Uneinigkeit. Auch in der Blutsfreundschaft geschieht es oft, dass unter den Freunden tierische Neigungen aufkommen, Krieg, Zorn, wenn das Blut wütend ist. Die unaussprechliche blinde Bosheit ist: die Bösen hassen die Guten, die Geizigen die Wohltätigen, die Trägen die Fleissigen, die Unfriedlichen die Friedvollen, die Ungeduldigen die Ruhigen, die Toren die Weisen, die Tobsüchtigen die Sanftmütigen. Auch Paulus bewegt das auserwählte Licht mehr und sagt: In den letzten Tagen kommt die schädliche Zeiz, in der die Menschen sich selber lieben, geizig sind, hochmütig, vermessen, gotteslästerlich, ungehorsam, undankbar, sündig ohne Frieden, treulose Verräter, grimmig, verblendete Lügner, die Wollust mehr liebend als Gott, dann wird alle Bosheit hervorbrechen, Gott wird verscheucht, und die Welt wird mit Wollust geliebt. Durch welche Wollust der Teufel im Menschen dazu lockt, sie zu betrügen, mit diesen Ding anzieht, liebkost und zuletzt verdirbt. Doch solche verpestete Zerstörung ist den Guten stets widerwärtig. Dies bekannte auch Bruder Klaus, denn er hatte sich mit besonderer Hilfe und Gnade Gottes von der Welt abgesondert und ein strenges heiliges Leben geführt, wie nun hier in dieser Geschichte erklärt wird.
  
Geschichte und Leben des guten und seligen Bruder Klaus
  
§1 Familiäre Herkunft von Bruder Klaus
In einem Land, das man gemeinhin Schweizerland nennt oder Eidgenossenschaft, in einem besonderen Ort, namens Unterwalden ob dem Wald, da wohnte seit langer Zeit ein Geschlecht mit einem Namen, der von Flüe herkommt, und sie haben ihre Nahrung von einem Gut das Flüe heisst. Es ist ein andächtiges, ernsthaftes Geschlecht mit guten Sitten, das jederzeit in Hochachtung der christlichen Ordnung gelebt und ein massvolles Leben geführt hatte. Unter diesen war ein Ehemann mit Namen Heinrich und Hemma seine Ehefrau. Von denen wurde geboren der gute Bruder Niklaus, im Jahre nach der Geburt unseres Heilbringers MCCCC und XVII [1417].
  
§2 Seine Geburt
Über diesen Bruder gibt ein ehrwürdiger Priester, Heimo, Pfarrer von Stans, ein Zeugnis: Bruder Klaus habe gesagt, wie er im Mutterleib, bevor er geboren war, einen Stern am Himmel gesehen habe, der die ganze Welt durchschienen habe, und seit er im Ranft wohnte, habe immer einen Stern gesehen jenem gleich sei. Ferner habe Bruder Klaus ihm gesagt, dass er im Mutterleib auch einen grossen Stein sah, welcher die Festigkeit und Stetigkeit seines Wesens bedeute, weil er beharrlich war und das, was er sich vornahm, nicht aufgab. Ebenfalls habe er im Mutterleib das heilige Öl gesehen, und nachdem er geboren war, habe er seine Mutter und die Hebamme gekannt und selber gesehen, wie er durch den Ranft nach Kerns zu Taufe getragen wurde, mit solchem Verstand, dass er dies niemals mehr vergessen habe. Dazumal sah er auch einen alten Mann bei der Taufe, den erkannte er nicht, doch den Priester, der ihn taufte, den erkannte er sehr gut.
  
§3 Wie er seine Jugendzeit verbrachte
Ein anderer ehrbarer Mann mit Namen Erni Rohrer [Erny Rohrer] wohnte von Jugend auf nahe bei Bruder Klaus und war während 21 Jahren sein vertrauter Gefährte und guter Nachbar. Sie hatten viel miteinander unternommen. Er bezeugte: Bruder Klaus sei zu jeder Zeit ein zuchvoller, frommer und wahrhaftiger Mensch gewesen, der niemand erzürnte und sich immer wieder von ihm und den anderen Knaben absonderte an ein einige [an einen einsamen Ort], wo er betete und Gott diente.
  
§4 Sein Fasten
Bereits als junger Knabe fastete lange Zeit jeden Freitag und danach jede Woche während vier Tagen, während der Fastenzeit ganz, so dass er nichts ass als ein kleines Stücklein Brot und ein wenig dürre Birnen, was er fast heimlich tat.
  
§5 Wie er in der Ehe lebte
Danach, als er das vollkommene Alter erreichte, verheiratete sich der fromme Jüngling mit einer ehrlichen Jungfrau namens Dorothea – nicht aus Sinneslust und unkeuscher Liebe, sondern gehorsam der göttlichen Ordnung. Dieses eheliche Bündnis haben beide nie, weder mit Worten noch mit Taten, gebrochen oder sonstwie beeinträchtigt. Es wurden ihnen 10 Kinder geboren, fünf Knaben und fünf Töchter, die sie darin unterwiesen, Gott zu fürchten und mehr als alles andere zu lieben.
  
§6 Die Kriege
Er zog nie in den Krieg, ausser aus Gehorsam gegenüber seinen Oberen, um das Vaterland zu verteidigen. Er war ein Liebhaber des Friedens, beschirmte Witwen und Waisen, war barmherzig und ermahnte [auch] andere dazu.
  
§7 Er mied weltliche Ehren
Er bemühte sich auch mit Ernst und Fleiss, sich von zeitlicher Ehre abzuwenden, besonders als er nicht Landammann werden wollte. Er erwarb es durch Gebet, dass man ihn mit weltlchen Geschäften nicht zu sehr belastete und er sich mit grosser Kraft von weltlichen Streitigkeiten und Ehren fernhielt.
  
§8 Geistliche Übungen und Nachwachen
Hans von Flüe, der Sohn von Bruder Klaus sagt: Solange er denken könne, habe sein Vater stets die Welt geflohen und habe seinem Leib grosse Enthaltsamkeit abverlangt. Jede Nacht habe er gehört, wie er in der Stube betete, und wenn es Tag wurde, ging er an seine Arbeit.
  
§9 Vom Teufel geworfen
Des weiteren sagt er [Hans von Flüe], wie ihm [seinem Vater] der Teufel viel unruhe bereitete. Besonders eines Tages, als Bruder Klaus Dornen aushauen und die Matten [Wiesen] säubern wollte. Da kam der Teufel und warf ihn in ein grosses Dornengestrüpp etwa 30 Schritt weit einen Abhang hinunter, so heftig, dass er davon ohnmächtig wurde und das Bewusstsein verlor. Als er wieder zu sich kam, richtete er seinen Vater auf und trug ihn in einer Hütte zum Feuer. Und als er da wieder zu sich kam, war er sehr duldsam und doch übel zugerichtet. Da sagte er nichts anderes als: Wohlan, in Gottes Namen, wie hat mich der Teufel so schwer verletzt. Aber so will es Gott haben.
  
§10 Wie er eine Vision hatte
Es ist nun so, dass Gott für gewöhnlich seinen lieben Freunden Anfechtungen, Stürme und Streit sendet und ihnen zu leiden gibt, wodurch sie gereinigt und danach gekrönt werden. Sicher stärkt er sie hier auch und tröstet sie. So hatte es sich begeben, dass der gute Bruder Klaus solche Konflikte erleiden musste vom bösen Geist. Einmal wollte er wie gewohnt in seinen Matten [Wiesen]andächtig beten und göttliche Betrachtungen machen. Da sah eine Lilie aus seinem Mund wachsen [Lilienvision] und den Himmel berühren. Danach lenkte er seinen Blick auf ein schönes Pferd, das schöner war als alle anderen Rosse auf der Weide. Auf dieses Pferd hin neigte sich die Lilie aus seinem Mund nieder. Dadurch wurde er ermahnt, sein Schatz sei im Himmel, aber diese Schätze können nicht gefunden werden von denen, die sich mit zeitlichem Gut und Geiz gegen Gott bekümmern.
  
§11 Ein Erscheinungsbild der heiligen Dreifaltigkeit [Pilgervision]
Ein anderes Mal sah er sich (im Geiste) in die Wüste [versetzt], weit weg von menschlichen Behausungen und sah von Ferne einen alten erbarmungswürdigen Mann, erbärmlich gekleidet. Er hörte ihn über alle Masse süss singen, so als ob sich die erste Stimme in drei Stimmen teilen würde. Dann dünkte es ihn in seinen Ohren wiederum: Es sei eine einzige Melodie. Darin wurde es ihm vergönnt, auf wundersame Weise und derart subtil die heilige Dreifaltigkeit, die unzertrennliche Gottheit mit drei Personen zu erkennen und darin unterrichtet zu werden.
  
§12 Eine andere Vision [Brunnenvision]
Abermals kam er nach einer guten Betrachtung im Geiste in ein Dorf, gebaut mit wenigen Häusern, in der Mitte ein schöner Palast. Er ging hinein und die zehnstufige Treppe hinauf. Darunter war ein schöner Brunnen. Daraus floss Wein, Öl und Honig. Er hörte eine Stimme: Wer Durst hat, soll kommen und aus dem Brunnen schöpfen. Er sah viele Leute schwere Arbeiten verrichten. Aber es wunderte ihn sehr, dass diese so arm waren und niemand hineinging um aus dem Brunnen zu schöpfen, obwohl es hätten tun können. Der Brunnen war ja gemein [zugänglich für alle]. Es nahm ihn auch Wunder, wo der Brunnen seinen Ursprung hat. Und in einem weiten Saal sah er einen vierschrötigen [viereckigen] Behälter, geformt wie ein Altar. Hieraus floss der Brunnen. Und als er auf den Kasten zuging, da drohte er einzusinken, aber er zog seine Füsse an und gelangte zum Kasten. Darin erkannte er in seinem Geiste: Wer nicht schnell seine Füsse anzieht, der könne nicht zum Behälter hin gelangen. Dieser Kasten war an den vier Seiten mit mächtigen eisernen Blechen beschlagen. Und er sang so schön durch die Kennel [Röhren] und war so lauter, so dass man auf dem Boden ein Haar hätte sehen können. Er war jederzeit voll, wieviel auch daraus floss. Diese drei Flüsse sind zusammengeflossen, jeder in seiner Vollkommenheit und keiner hindert den anderen daran, sich zu erkennen zu geben, sie sind immer gleich vollkommen, weder mehr noch weniger, nicht von einander trennbar, und dennoch fliessen sie als ein einziger Brunnen. Dann ging er wieder hinab und schaute nach, was die Leute tun, weswegen sie nicht hineingehen und aus dem Brunnen schöpfen, der so gross und überfliessend war. Aber die Leute taten so schwere und grosse Arbeit und waren dennoch arm. Da sah er auf einem weiten Feld eine grosse Menschenmenge, die sich um irdische Güter und um Gewinn kümmerten. Einer hatte einen Zaun errichtet, ein Gatter [Gitter] mitten durch einen Platz, diesen [Zaun] hielt er verschlossen und wollte niemand ohne den Pfennig durchlassen. Einer stand da und drehte den Knebel. Es zählte [nur] der Pfennig. Ebenso viele Spielleute [Musikanten], Schneider, Schuhmacher und allerlei Handwerker, alle mussten den Pfennig haben. Und kaum hatten sie das Ihre verrichtet, waren sie so arm. Doch er sah niemand hineingehen um zu schöpfen. Bedeutung: Mit diesem Bild wurde der Bruder klar unterrichtet, wie die heilige Dreifaltigkeit keine Ende und keine Zeit hatte und jede Person in ihrer Vollkommenheit in einer Gottheit zusammenfliessen wie die drei Flüsse ohne eine Vermittlung [ohne ein Zwischenstadium], wie ein einziger Brunnen. Dabei soll man es so verstehen: Der Brunnen der ewigen Gottheit wird allen durstigen Menschen voller Gnade geschenkt, welche durch Liebe und durch Halten der zehn Gebote aus dem Brunnen schöpfen. Weil es jedoch wenige sind, die sich dazu anschicken, dafür aber um so mehr die durch Eigennutz und Geiz [und Habgier] davon abgehalten und umgetrieben werden, die so arm sind und trotz ihrer schweren Arbeit der Gnade ermangeln und in ihr eigenes Verderben gehen.
  
§13 Wie er sich Gott übergab [Vision der drei Edelleute].
Zu einer anderen Zeit sah der gute Vater drei ehrbare Männer, wacker, mit guten Sitten, zu ihm sprechen. Der erste sprach: Nikolaus, willst du dich nicht ganz, mit Geist und Leib, in unsere Gewalt ergeben? Er antwortete: Ich ergebe mich niemand anders als allein dem allmächtigen Gott, dessen Knecht ich sein möchte und schon lange mit Leib und Gemüt [Seele] sein möchte. Da mussten sie wegen der Antwort fröhlich lachen. Und wiederum sprach der erste: Weil es nun so ist, dass du gelobt hast, allein Gott ein Diener zu sein, verheisse ich dir im Alter von 70 Jahren, dass du von all deinen Mühen erlöst wirst. Darum ermahne ich dich, fest zu beharren, und dann werde ich dir ein Banner geben mit einer Bärentatze [Bärenklaue] darin, wegen deines Sieges. Wir lassen dir auch ein Kreuz zurück, zum Gedenken an uns. Dann gingen sie weg. In diesen Worten verstand Klaus, was er durch Überwindung mancherlei Betrübnis und Anfechtung ernten werden, zusammen mit einer ehrenvollen Ritterschaft werde er das ewige Leben bekommen.
  
§14 Wie er sein Vorhaben seiner Hausfrau kundtat
Einst ging er zu seinem eigenen Gut, um zu arbeiten. Unterwegs rief er die göttliche Gnade an. Da antwortete ihm eine Wolke vom Himmel herab und sprach: Du törichter Mann, wie handelst du so töricht. Hab’ allein Aufmerksamkeit für den Willen Gottes! Verlass dich nicht auf deine eigene Kraft und Macht! Denn bekanntlich ist Gott nichts angenehmer als ein freiwilliges Dienen. Durch diese Stimme ermahnt fing er an, seine Habe immer mehr abschätzig und gering zu achten. Durch die göttliche Gnade wurde der Gottesfreund dazu bewegt, dass er mit der ganzen Welt keinen Frieden hatte, um in ihr noch wohnen zu können. Und so eröffnete er sein Vorhaben seiner Ehefrau, seiner treuen Ratgeberin, wie er des Wohlbehagens und der Freude dieser Welt überdrüssig geworden sei, so dass er für ein geistliches Leben eine geeignete Stätte in der Einöde suchen wolle. Seine Ehefrau Dorothea verwehrte ihm dieses auszuführen, doch nach seinen ernsthaften Bitten, stimmte sie zu. So war er erleichtert.
  
§15 Wie er das Haus und die Seinen verliess
So suchte er nach dem Zeitpunkt und nach der Stätte. Er meinte vielleicht, er sollte es sich so einrichten, denn wenn er in der Heimat bliebe, könnte man ihn für unredlich halten. Aus diesem Grunde verliess er Frau und Kinder und all sein Hab und Gut. Er verliess die Eidgenossenschaft und ging ins Ausland, hin zu einer Stadt, die Liestal heisst. Da dünkte ihn, als ob die ganze Stadt und alles in ihr rot wäre. Davon erschrak er und lief zurück auf einen einsamen Bauernhof. Dort gab er dem Bauern nach mancherlei Reden sein Vorhaben zu verstehen. Diesem gefiel dies jedoch gar nicht. Der Bauer widersprach ihm und meinte, er solle doch wieder heimkehren zu den Seinen und da Gott dienen, das wäre Gott gefälliger, als sich von andern Leuten abhängig zu machen, zudem wäre dies für ihn auch günstiger, denn als Eidgenosse wäre ihm nicht jedermann freundlich gesinnt. Darum verliess Bruder Klaus noch in der gleichen Nacht das Bauernhaus. Er lag die Nacht über auf dem Feld bei einem Zaun. Und als er einschlief, da kam ein Glanz, umgab ihn und tat ihm so weh, wie wenn ihm mit einem Messer der Leib aufgeschnitten und er an einem Seil gezogen werde. Daraus erkannte er, dass er wieder heimkehren solle, in den Ranft, was er dann in der Frühe auch tat. Nach der Heimkehr hatte er sich acht Tage in einer Wildnis zwischen den Dornen aufgehalten, ohne Essen und Trinken, ohne dass jemand davon wusste.
  
§16 Wie er aufgefunden wurde
Nicht viel später wurde er von Jägern gefunden. Und sein Bruder Peter bezeugt, er sei selber zu ihm gegangen und habe ihn ermahnt, dass er sich selber nicht verderbe mit dem Hungertod. Nikolaus antwortete: Keineswegs, denn es ist auch bisher nicht geschehen. Als nun das Geschrei zunahm und der Zulaus ihm Beschwerden bereitete, ging er weiter um eine rauhe Höhle zu suchen. Bei diesem Vorhaben sah er vier Lichtscheine [Lichtstrahlen] vom Himmel herabsteigen, hinab in den Ranft. Dadurch wurde er unterwiesen, diese Stätte aufzusuchen und da Gott zu dienen, sei das Richtige.
  
§17 Er kam in den Ranft
So kam er an diese Stätte. Und mit Hilfe frommer Leute wurde ihm ein armes Häuschen gebaut. Als die lieben Bürger und Nachbarn erkannten, dass der Diener Gottes nicht durch einen fantastischen [trügerischen, phantasma= Trugbild] Geist durch einen falschen Schein bewegt wurde, liessen sie ihm mit Hilfe und Spenden von frommen Leuten eine Kapelle bauen, zu Lob und Ehren der allerheiligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria.
  
§18 Beginn der Nahrungslosigkeit
In der gleichen Zeit begann der gute Bruder Klaus bei sich selber abzubrechen bezüglich natürlicher Speise und Trank. Elf Tage lang blieb dies so. Dann schickte er nach einem guten Priester, nämlich Herrn Oswald Isner [Issner, Yssner], Pfarrer in Kerns, um heimlich seinen Rat einzuholen, ob er essen solle, oder es weiter versuchen solle. Denn er hatte immer begehrt, ohne Essen leben zu können und dadurch um so weiter von der Welt abgeschieden zu sein. Dieser Priester betastete die Knochen unten und oben. Es war sehr wenig Fleisch daran. Denn es war alles aufgezehrt bis zur Haut, seine Wangen waren dünn [eingefallen] und seine Lippen zerschunden. Und als er seine gute in der göttlichen Liebe begründete Absicht erkannte, riet er Bruder Klaus: Da in Gott solange, bis zum elften Tag, ohne zu essen wohlauf erhalten hatte, sofern er es ohne den Hungertod zu sterben erleiden könne, solle er es noch mehr versuchen. Dies tat Bruder Klaus auch und verblieb darin von da an zwanzig Jahre bis an sein Ende, er benötigte keine leibliche Speise, weder zu essen noch zu trinken. Er hatte keinen anderen Unterhalt als allein, wenn er bei der Messe war und den Priester sah das heilige Sakrament geniessen. Davon empfing er einen Aufenthalt [Trost, Hilfe, Unterhalt].
  
§19 Die Einweihung der Kapelle
Danach kam der würdige Vater Bischof Thomas, Weihbischof von Konstanz. Auf Bitte der Landsleute hatte er die Kapelle geweiht, zur Ehre Unserer Lieben Frau, der Zehntausend Märtyrer [bzw. Ritter, nicht die Thebäische Legion], der heiligen Maria Magdalena, der heiligen Kreuzerhöhung.
  
§20 Die Untersuchung durch den Bischof [bischöfliche Untersuchung]
Auch wegen den argwöhnischen Menschen ist der Bischof hingegangen. Er sprach mit ihm [Bruder Klaus] viel über Gott und fragte ihn: Was von allen Tugenden Gott die angenehmste sei. Der Bruder antwortete und sprach: Gehorsam. Dann nahm er [der Weihbischof] Brot in die Hand und Wein, den er mit sich brachte, um ihn [Bruder Klaus] auf die Probe zu stellen. Er brach drei Bissen vom Brot ab und gebot beim Gehorsam diese zu essen. Nikolaus wollte nicht ungehorsam sein, fürchtete sich aber wegen der langen Gewohnheit etwas vor den Leibschmerzen. Er bat den Bischof, dass er ihm einen Bissen in drei Teile breche, und diese ass er mit grössten Beschwerden und Kummer. Auch den Wein genoss er mit Grauen, wodurch der Herr erschrak und zur Kunde gab [amtlich feststellte], dass er sich in seinem Abbruch bewährt habe. Er gab in Worten auch Ausdruck: Er habe dies nicht mutwillig getan sondern auf Befehl des wahren Bischofs [Diözesanbischof, Bischof von Konstanz], um über ihn etwas in Erfahrung zu bringen.
  
§21 Beichten und Kommunizieren
Seine Beichte verrichtete er alle Monate bei seinem eigenen Beichtvater, besonders vor den grossen Festtagen seinem Kaplan, den er selbst verpfründet [angestellt] hatte. Von diesem empfing er auch monatlich das heilige Sakrament. Wenn er zudem den Priester bei der Messe sah, wurde er auch auf geistliche Art gespeist und gestärkt. Ebenso in der Betrachtung des Leidens unseres Herrn Jesus Christus [Passion Jesu, Leiden Jesu] empfand er dies, da wurde sein Herz mit unaussprechlicher göttlicher Liebe übergossen.
  
§22 Seine Bekleidung
Seine Bekleidung war nichts anderes als ein langer abgetragener Rock [graw im Sinne von alt, abgetragen – vgl. bei Bonstetten, Quelle 015 und bei Gundelfingen, Quelle 052]. Er schlief auf einer kahlen Bank, als Kissen hatte er ein Blöcklein [Holzklotz], im Winter hatte er eine Decke [ein Decklacken].
  
§23 Die Anfechtungen
Weiterhin setzte ihm der böse Geist mit Arglist zu, belästigte ihn auch mit Schimpfworten, rannte heftig und oft gegen sein Haus, als wollte er es umstossen, einmal zog er ihn sogar an den Haaren hinaus vor die Türe. Einst kam der böse Geist in der Gestalt eines Edelmannes mit kostbar besetzten Kleidern [wohlberitten] hoch zu Pferd. Nach langer Rede rät er ihm, er solle von seinem Vorhaben lassen und sich verhalten wie andere Leute, denn er könne auf diese Weise das ewige Leben nicht verdienen. etc.
  
§24 Wie er sein Hausvolk, die Pilger und andere unterweist
Er dankte auch Gott, der sein Hausvolk regierte, dass er keine Begierde mehr hatte heimzukehren. Dennoch besuchten ihn gelegentlich seine Frau und seine Kinder, damit er sie auch darin unterweise, wie sie ein andächtiges Leben führen sollten. Gleiches war allen Pilgern vergönnt, obwohl etliche nicht wegen der Besserung kamen, sondern um ihn zu prüfen nach Art der unredlichen Prahler; diese Frechen suchte er aber zu meiden. Andere, ehrbare Leute ehrte er und lehrte sie, wie er es vermochte. Obwohl er nicht lesen konnte, erlöste er die Allergelehrtesten von Unwissenheit der verborgenen Auslegungen. Die einfacheren Menschen ermahnte er gütlich, die Evangelien und andere Lehren von ihren Hirten mit Ernst zu hören und zu halten.
  
§25 Die Streitereien unter den Eidgenossen
Die Streitereien der Eidgenossen wendete er auch stets zum besten, zu Frieden und Ruhe im Land und zu Einigkeit [zu einem guten Verhältnis] mit den Nachbarn; er forderte [sie] auf, Gott zu loben, die Gebote ernsthaft zu bedenken und zu halten.
  
§26 Er offenbart Künftiges und Verborgenes
Etlichen Pilgern, die von weit her kamen, öffnete er den Sinn für Zukünftiges, bezüglich dieser oder jener Zeit, was hernach auch eintrat.
Ein Wunderzeichen: Es kam ein Student aus Paris von seinem Sohn Niklaus. Diesem hatte der genannte Niklaus zwei Briefe mitgegeben, um sie seinem Vater zu überbringen. Den einen verlor er unterwegs. Deswegen fürchtete er sich und konnte nicht mit gutem Gefühl vor sein Angesicht treten. Er fasste jedoch ein Herz und nahte sich der Kapelle. Bruder Klaus kam ihm entgegen und hatte den verlorenen Brief in seinen Händen. Er grüsste freundlich den Briefträger und fragte vorwurfsvoll nach den Briefen. Dabei zeigte er den verlorenen Brief in seiner Hand. Dadurch geriet der Bote in Verwunderung und wurde fröhlich [gestimmt].
  
§27 Seine Krankheit und sein Sterben
Als nun die Zeit nahte, in der Gott seinen treuen Diener und Ritter [ein Titel, den sonst nur Albrecht von Bonstetten verwendet – Quelle 015] aus diesem Elend herausnehmen wollte in die ewige Freude, wurde er sehr krank am ganzen Leib. Sein Fleisch war ganz abgestorben, acht Tage lang litt er geduldig an den grossen Schmerzen. Er verlangte mit grosser Andacht nach dem hochwürdigen Sakrament. Dann gab er auf und befahl seinen Geist mit grosser Dankbarkeit in seine [in Gottes] Hände, im Jahre als man zählte seit der Geburt unseres Heilandes MCCCCLXXXVII (1487), am Tage des hl. Benedikt. Danach wurde sein heiliger Leichnam nach gutem Brauch bestattet und begraben in der Kirche von Sachseln, die zur Ehre des hl. Theodul geweiht war. Er wurde unter Teilnahme einer würdigen Priesterschaft und des ganzen Landes, mit Opfern, Almosen und mit grossem Klagen bestattet.
  
§28 Wie er nach seinem Tod gesehen wurde
Danach, am dritten Tag besuchte seine ehrsame Ehefrau [Dorothea], wie es Brauch war, das Grab. Da erhielt sie eine Botschaft, die sie tröstete und zu ihr sprach, Bruder Klaus sei einigen Personen in grosser Ehre und Verklärung erschienen. In seiner Hand habe er ein Banner getragen, in welchem eine Bärentatze [Bärenklaue] abgebildet war. Diese bedeute, dass er in seiner Beharrlichkeit und mit der Hilfe des allmächtigen Gottes all seine [inneren] Kämpfe überstanden habe. Deo gratias!
  
§29 Die Zeichen [entsprechend dem Sachsler Kirchenbuch – Quelle 053]
Der Bischof von Lausanne hatte ein lahmes Bein und deswegen lange Zeit viele heftige Schmerzen, so dass er kaum mehr reiten und gehen konnte. Es konnte ihm auch kein Arzt helfen. Auf den Rat von angesehenen Leuten versprach er [eine Wallfahrt] zu Bruder Klausens Grab. Von Stund an hatte sich das Übel gebessert, so dass sofort aufsass und zum Grab von Bruder Klaus ritt. Er ist sogleich gesund geworden und ohne jegliche Beschwerden auf seine Füsse gesprungen und umhergegangen. Dafür sagte er Gott und Bruder klaus grosses Lob und Dank.
  
Herr Berthold Ferren, Leutpriester in Einsiedeln, hatte Gries [Sand, Kalkablagerungen] und einen Stein [in der Niere], so beschwerlich, dass er deswegen wohl während 14 Wochen im Bett lag und alle meinten, er müsse sterben, denn es konnte ihm niemand helfen. Also versprach zu Bruder Klausens Grab [zu pilgern]. Von Stund an ging es ihm besser, und am folgenden Nacht ging der Stein mit dem Harn von ihm, anscheinend auch das Gries. Er wurde gesund und ging zum Grab von Bruder Klaus und dankte Gott und Bruder Klaus etc.
  
Ein Pilger aus Dänemark, ein Fischer auf dem [der] Heringsee [Öresund, Ostsee], hatte einen lahmen, bösen Schenkel und dazu so grosse Schmerzen, dass er meinte nur noch mit grosser Mühe und auf zwei Krücken gehen zu können, denn das Bein war ihm völlig krumm geworden. Darum gelobte er [eine Wallfahrt] zum fernen St. Jakob [Santiago de Compostela]. Er trat die Reise an, schaffte es aber nicht [gemäss Wölflins Version war der Däne in Santiago und ging erst auf dem Rückweg nach Sachseln – Quelle 072, vgl. auch im Sachsler Kirchenbuch, Quelle 053]. Da kam es ihm im Schlaf so vor, als ob er versprach zu Bruder Klausens Grab [zu pilgern]. Bald ging es ihm besser und er konnte wieder wandeln und gelangte zum Grab. Er nahm an einem gesungenen Amt teil, nach dem Amt verliessen ihn alle Schmerzen und er wurde völlig gesund, so dass er seine Krücken da liess und Gott dankte.
  
Es hatte sich auch ereignet, dass Pfarrer, Sakristane und das gewöhnliche Volk von Sachseln, wo das Grab von Bruder Klaus liegt, erlebten, dass so viele Leute, ohne Zahl, mit mancherlei Fieber und Gebresten beladen, das Grab von Bruder Klaus besuchten, ihre Opfergaben niederlegten und gesund wurden.
  
§30 Solche und noch weitere Wunder wirkte der allmächtige Gott, werden von Tag zu Tag durch den lieben Bruder Klaus gewirkt. Diesen wollen wir auch ehren, anrufen und bitten, uns Gnade und Barmherzigkeit zu erbitten, und nach diesem elenden Leben das ewige Leben. Amen.
Geschrieben und vollendet in Unterwalden
1521, im Oktober, am Vortag der Apostel
Simon und Judas [Thaddäus], Gott sei gelobt.
  
[Anhang: 2 Gebete: a) zu Bruder Klaus als Fürsprecher, b) zu Gott]
  
a)
  
O andächtiger Vater, ein Trost der Armen, wir bitten dich, du wollest unser treuer Früsprecher sein vor Gott dem allmächtigen, in allen unseren Nöten und besonders in meinem Anliegen, du wollest es vorbringen Christus dem Herrn, durch das Verdienst deines tugendreichen Lebens. In grossen Wunderzeichen bist du geehrt hier auf der Erde, um Gesundheit zu erwerben, mancherlei Gebrechen zu wenden an kranken Menschen. Darum bist du zugesellt den Engeln im himmlischen Hof. Wollest unser gedenken, damit wir behütet werden vor Schaden und vor Laster. Amen.
  
V[ersus:] Bitt für uns du heiliger Vater Niklaus,
  
R[esponsorium:] Dass wir werden würdig der Verheissungen.
  
b)
  
Allmächtiger Gott, der du nicht aufhörst, alle Tage durch deine Diener Wunderzeichen zu wirken, verleihe uns gnädig, dass wir durch Verdienst und Gebet des andächtigen Bruder Klaus erhalten werden, der mit grossen Wunderzeichen erschienen ist in dieser Welt, dass wir väterliche Treue und Trost durch deine Hilfe empfangen und von Schaden der Seele und des Leibs, von Schanden und Laster erlöst werden. Amen.
    
  
Zurück zum Quellenverzeichnis (1501–1591)
  
Zurück zum Inhaltsverzeichnis
  
… nach oben    
   
   
Bruder Klaus · Niklaus von Flüe · Flüeli-Ranft · Schweiz
© 1998–2017 ·
nvf.ch, brunnenvision.ch und bruderklaus.eu (vormals: bruderklaus.ch)
Designed and published by Werner T. Huber, Dr. theol.

Letzte Dateiänderung: 08.04.2014 15:44:40