Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Quellen - Bruder Klausund Dorothea
  
  
Ein heiliges Leben in Kürze erzählt
  
Quelle Nr. 069

  

  
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Zeit: um 1500
  
Herkunft: Münchner Handschrift, zweite Hälfte 15. Jh. in: Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 244, fol. 324va–325rb – Codex aus dem Dominikanerinnenkloster Altenhohenau (bei Wasserburg).
  
Kommentar: Der Verfasser dieser Kurzbiographie ist nicht bekannt. Wegen den ungereimten Angaben über den örtlichen und zeitlichen Rahmen des Geschehens scheint es, dass er nicht selbst im Ranft war. Er kennt Bruder Klaus also nur vom Hörensagen. So unterscheidet er beispielsweise nicht die Klisterlialp, wohin sich Bruder Klaus zuerst zurückzog, und den Ranft, wo er sich später aufhielt. Dafür hält er die Anfänge des Leben des Einsiedlers für um so bedeutsamer.
  
Besonderes Gewicht legt der Verfasser auf das Verhältnis des Waldbruders gegenüber der Kirche. Bruder Klaus isst bei der Gehorsamsprüfung – Inquisition am 27. April 1469 bei der Einweihung der Kapelle – die Brotstücke, und als er beinahe daran erstickte, baten die anwesenden Eidgenossen den Bischof aus Konstanz [Weihbischof Thomas], die Prozedur abzubrechen. Wie aber dürfen die warnenden Worte der Eidgenossen an den Weihbischof «Sollte Bruder Klaus sterben, dann verkürzt Ihr damit auch Euer Leben» verstanden werden? Wer hatte denn diese Worte ausgesprochen? Vermutlich der mit Klaus von Flüe befreundete Berner Ratsherr Adrian von Bubenberg (Quelle 004). Die Schilderung der Prozedur der Inquisition dürfte glaubhaft sein, auch das Detail mit den drohenden Worten.
  
Die in mittelbayerischer Mundart gehaltene Erzählung befand sich in einem Band von Handschriften im Kloster der Dominikanerinnen von Altenhohenau (bei Wasserburg), sie diente dort vermutlich den Schwestern in der Fastenzeit als unterhaltenende und zugleich lehrreiche Tischlesung. – Die bischöfliche Prüfung enthält die Frage an den Einsiedler nach dem Grössten auf Erden, welche dieser beantwortet mit: «Der Gehorsam». Diese Verknüpfung findet sich so bereits im nicht veröffentlichten Reisetagebuch des Hans von Waldheim (Besuch im Mai 1474, Quelle 009) wieder ferner Albrecht von Bonstetten (Besuch an Silvester 1478, Quelle 015) sowie etwas später auch bei Heinrich Wölflin (1501, Quelle 072) und Charles de Bouelles (Carolus Bovillus, 1503. bzw. 1510, Quelle 201). Dieses Detail stimmt jedenfalls und wurde nicht irgendwo abgeschrieben.
  
Der Herausgeber des grossen Quellenwerks, Robert Durrer, Staatsarchivar in Stans, kannte diese Handschrift nicht. Sie wurde erst 1983 durch den Stiftsbibliothekar von St. Gallen, Peter Ochsenbein, entdeckt. Dank Prof. Dr. Peter Ochsenbein wissen wir etwas mehr über die Ursache der latenten Exkommunikation des Adrian von Bubenberg (siehe auch: Quelle 004).
  
Referenz: Rupert Amschwand, Ergänzungsband, 35–36

  

   Das Leben des heiligen Einsiedlers St. Niklaus in der Schweiz, der ein sehr heiliges Leben führte, in aller Kürze erzählt.
  
Er lebte im Jahre 1468, früher war er ein Richter in seiner Heimat. Es fügte sich, als er zusammen mit anderen Mitgliedern des Rates bei einer öffentlichen Gerichtsverhandlung sass und das Urteil festgesetzt und verkündet wurde, dass dieses Urteil den heiligen Niklaus im Herzen und in seinem Gewissen derart belastete und beunruhigte, dass er meinte, sein Gewissen könne ein solches Urteil nicht ertragen und er müsse vom Gericht Abstand nehmen.
  
Nahe bei seinem Wohnort ging er von seiner Ehefrau und seinen Kind weg in den tiefer gelegenen Wald, etwa zwei [?] Meilen entfernt von Unserer Lieben Frau von Einsiedeln. Bei einem Berg, in einer Höhle unter einem Felsen meinte er, alle seine Sünden büssen und Gott, dem Allmächtigen dienen zu müssen.
  
Eines Tages begab es sich, dass ein Jäger mit seinen Hunden in diesen Bergwald ging, um zu jagen. Zufällig gelangte er mit seinen Hunden vor die Höhle, wo sich der heilige Niklaus aufhielt. Er fragte ihn, wie es denn dazu gekommen sei, warum er denn hier wohne. Darauf wollte ihm dieser keine rechte Antwort geben, er redete nur auf den Jäger ein und bat ihn inständig, niemandem etwas über ihn zu erzählen. Als der Jäger jedoch nach Hause kam, berichtete er darüber seiner Herrschaft.
  
[Die bischöfliche Untersuchung – Inquisition] Als derlei Vorfälle dem Bischof von Konstanz zu Ohren kamen, wollte er es nicht unterlassen, den genannten Richter in der Berghöhle zu besuchen, um in Erfahrung zu bringen, aus welchen Beweggründen er seine Behausung dort haben wollte, ob es von Gott oder vom bösen Geist komme. So begab er sich mit seinem Gefolge aus weltlichen Herren und Priestern in den Wald zur Berghöhle. Er richtete das Wort an ihn und fragte, wovon er lebe. Darauf gab dieser die Antwort: «Von der Gnade Gottes und sonst von keiner anderen Speise.» Der Bischof fragte ihn: «Sag mir, was ist das Grösste auf Erden, womit man die Gnade Gottes erwerben kann.» Der Richter anwortete: «Der Gehorsam.» Dann sagte der Bischof: «Nachdem du nun so lange keine menschliche Speise mehr genossen hast und allein mit der Gnade gesättigt wurdest, befehle ich dir bei dem Gehorsam, dass du drei Bissen Brot issest.» Dies tat jener dann auch, freiwillig gehorchend. Als er den ersten Bissen ass, da kam etwas Blut aus seinem Mund, und als er den zweiten essen wollte, wäre er beinahe daran gestorben. Bei dem dritten Bissen sagten die Schweizer zum Bischof von Konstanz: «Gnädiger Herr, sollte es geschehen, dass Ihr den Bruder Niklaus mit dieser Speisung um sein Leben bringt, dann wird Euer Gnaden zu einer Verkürzung Eures Lebens kommen.» Also erkannte der Bischof die Gnade Gottes. Jener wurde von dessen Nachfolger oder noch von ihm selber im 67. Jahr als heiliger Mensch bestätigt.
    
  
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