Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Quellen - Bruder Klausund Dorothea
  
  
Wirbel um das Meditationsbild
  
Quelle Nr. 247

  

  
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Zeit: 1562 – 1608–11 – 1647 – 1947 – 1981
  
Herkunft: a) Stiftsarchiv Einsiedeln, Orig.-Papier mit undeutlichem Siegel (Druck: Mitteil. des Hist. Vereins d. Kant. Schwyz, XIV. Heft, 1904); – b) a. gl. Ort, Orig.-Papier m. kleinem ovalen Siegel des Subpriors Adam Heer (Druck: a. gl. Ort); – c) a. gl. Ort, Akten des Konzils von Trient, Orig.-Papier, mit Papier-Verschluss-Siegel. – d) Protokoll des Nidwaldner Wochenrates 1608–11 – e) Anhang am Meditationsbild – f) Prozessakten von 1647, Pfarrarchiv Sachseln (früher im bischöflichen Archiv in Konstanz und zwischenzeitlich bis ca. 1855 im erzbischöflichen Archiv in Freiburg, Breisgau)
  
Kommentar: Das Konzil von Trient soll das «Visionsbild» (das als solches umgedeutete Meditationsbild) von Bruder Klaus untersuchen. Initiant dieses Unterfangens war der in Einsiedeln lebende, elsässische Freiherr Hans Jakob von Mörsberg (Morimont, bei Altkirch im Elsass, bzw. Sundgau) und Beffort (Belfort – in erster Ehe verheiratet mit der Gräfin Regina Fugger). Die Umtriebe dieses Adligen waren enorm, jedoch zu einem grossen Teil unbeliebt und problematisch. In einer Anwandlung von religiösem Übereifer schoss er oft über das Ziel hinaus, etwa wenn er behauptete, die Messe von unwürdigen Priestern, die im Konkubinat lebten, sei ungültig, die Gläubigen, die an einer solchen Messe teilnehmen, würden auf sich einen Schaden herabziehen, was keineswegs im Sinne von Bruder Klaus sein konnte. Wegen seinen Behauptungen war Mörsberg auch in Streit geraten mit dem Enkel von Bruder Klaus, Konrad Scheuber (ehem. Landammann von Nidwalden), der in der Bettelrüti oberhalb Wolfenschiessen als Einsiedler lebte; er erwartete nämlich dass Konrad Scheuber ihn in seinen Bemühungen voll unterstützen würde. Der Höhepunkt der psychischen Störung (Paranoia) erreichte bei Mörsberg die Spitze, als er die Eidgenossen dazu aufforderte mit den Gebeinen von Bruder Klaus ins Elsass zu ziehen (R. Durrer, Quellenwerk, 748), um seine verlorenen Besitztümer wieder zurückzugewinnen. – Mörsberg verfasste eine Abhandlung über das Betrachtungsbild, das «Inventum sive Schema» (auch einfach «Schema» genannt), worin er seine Phantastereien festhalten wollte (Amschwand, Ergänzungsband, 222).
  
Teilweise fand Mörsberg Unterstützung in seinen Vorhaben beim Abt von Einsiedeln sowie bei den Landammännern Sebastian Omlin (Obwalden, gest. 1562) und Ritter Melchior Lussy (Nidwalden, *1529, gestorben: 14. November 1606) sowie des Nidwaldner Bannerherrn Waser. Abt Joachim von Einsiedeln und Ritter Melchior Lussy reisten im März 1562 als Gesandte der katholischen Orte der Eidgenossen zum Konzil von Trient. Mörsberg konnte sie für ein, seiner Meinung nach, dringendes Anliegen gewinnen: Das Konzil in Trient sollte den Inhalt des farbigen, auf Tuch gemalten, Meditationsbildes (siehe: Das Sachsler Meditationsbild) von Bruder Klaus untersuchen – vermutlich war aber das Original nie in Trient sondern eine Abbildung in Form eines Holzschnitts. Sebastian Omlin übergab das Original, das Tuch, dem damaligen Bannerherr Waser, der es Ende Mai 1562 zu Ritter Lussy brachte; es blieb dann bis 1608 verschollen, bzw. vermutlich im Besitz von Lussy. Hartnäckig und stark verbreitet wurde bereits Anfangs des 16. Jahrhunderts das hysterische Gerücht mit dem Bild verbunden, es basiere auf einer Vision des Eremiten – die Schreckensvision (siehe bei Wölflin in §35, Quelle 072) –, weiter ausgeweitet durch Bovillus und Horius (Quelle 201) sowie durch Martin Luther (Quelle 227), für den es als Beweis galt für die Dekadenz des Papsttums. Deren Annahme basierte auf der Sichtung einer schlechten Kopie im Ranft, das Original befand sich nach dem Tod Klausens nicht mehr dort. – Die ganze Hysterie um dieses Meditationstuch, die bis ins 21. Jahrhundert reicht, schadete dem Ruf des Eremiten im Ranft zweifellos und war mitunter ein Grund für die Verschleppung seiner Causa. Als sich die Untersuchung in Trient verzögerte, begab sich Mörsberg im Sommer 1562 selber nach Trient. Das Bild wurde dort jedoch nie untersucht, trotz Versprechungen von Kardinal Otto von Waldburg, die Konzilsväter hatten offensichtlich Wichtigeres zu tun.
  
Das lange verschwundene Meditationstuch wurde 1608 durch die Kapuziner in die Kapelle St. Jakob in Ennetmoos (Nidwalden) gebracht . Das Bild befand sich davor offensichtlich im Privatbesitz von Ritter Melchior Lussy, der es angeblich von Trient wieder heimlich zurückbrachte und in seiner Einsiedlerzelle verborgen hielt – vermutlich war es aber nie in Trient sondern die ganze Zeit (seit Ende Mai 1562) bei Lussy (vgl. Amschwand, Ergänzungsband, 220 und früher: R. Durrer, 387). Er wollte in seinen letzten Lebensjahren als Eremit leben, erhielt jedoch die Erlaubnis seiner Ehefrau nicht; worauf er die Zelle von Konrad Scheuber in der Bettelrüti abbrechen und neben seinem Haus (Höchhus, 1586 erbaut) bei Wolfenschiessen wieder aufrichten liess, um sich zeitweise dorthin zurückzuziehen. Nach seinem Tod am 14. November 1606 ging es 1608 an die von ihm geförderten Kapuziner, die bereits in Ennetmoos eine Niederlassung hatten, bevor ihr Kloster in Stans 1581 fertig gebaut war. Diese Niederlassung wurde auch nachher noch beibehalten. Die Übertragung fand als feierliche Prozession statt. – Der Nidwaldner Landammann Waser machte nun jedoch Ansprüche für seinen Privatbgesitz geltend, wahrscheinlich um die Rückgabe an die Obwaldner zu verhindern. Er liess es einfach verschwinden und nach Baden bringen, wo seine Ehefrau Elisabeth Bodmer herstammte. Eine Verfügung des Nidwaldner Wochenrats bestimmte, dass es 1610 wieder leihweise in die Kapelle St. Jakob kommen solle. Das Bild sollte nun restauriert und 1611 eingerahmt werden, in eine «taffellen» gefasst werden. Das Tuch wurde im Zentrum jedoch nochmals verändert – erste Übermalung kurz bevor es Bruder Klaus geschenkt wurde, vor 1480 –, besonders die schlichte Krone in der Mitte wurde jetzt etwas verzierter dargestellt. 1647 macht Ulrich Barmettler in einem weiteren Prozess die Aussage: Es habe alljährlich eine Prozession nach St. Jakob in Ennetmoos stattgefunden, wegen einer auf Tuch gemahlten Vision (wegen eines Gesichts) oder Erscheinung (Apparation), die Bruder Klaus erschienen sei. Spätestens 1654 befindet sich das gefasste Tuch aber wieder in Sachseln (vgl. auch Quelle 307).
  
Völlig sicher ist nun: Der Gedanke, im gekrönten Haupt im Zentrum sei mit Absicht Gott dargestellt worden, ist überhaupt nicht historisch sondern vielmehr hysterisch. Stattdessen wird ein herausragender Potentat der damaligen Zeit abgebildet. Eine Röntgenaufnahme von 1947 zeigt, dass die Ur-Version des zentralen Medaillons keinen Bart trug und eher jugendliche Gesichtszüge hatte. Die veränderten Partien sind relativ gut erkennbar. Doch allein schon die Nase passt überhaupt nicht zu König Ludwig XI. von Frankreich und ebenso wenig zu Kaiser Friedrich III., auch die Habsburger Sigmund und Maximilian fallen ausser Betracht. Übrig bleiben kann bei einer solchen Falsifikation nur noch Karl der Kühne. Mehr darüber samt Bildvergleichen in: Das Sachsler Meditationsbild, 2. Teil – Die Hysterie hatte eine ihrer Wurzeln in der eigenwilligen literarischen Fiktion des anonymen Pilgers, der schrieb, Bruder Klaus habe gesagt, die Mitte würde die ungeteilte Gottheit bedeuten. Der Pilger sagte, das ganze würde aussehen wie ein Rad. Dann dichtete der Herausgeber der Druckversion des Pilgertraktats – Augsburger Ausgabe, undatiert, um 1488 – den Mittelpunkt grafisch und verbal hinzu, den der Autor in seiner Skizze gar nicht eingezeichnet hatte sondern vom Einstich der Zirkelnadel herrührte. Die andere Wurzel ist Wölflin mit der göttlichen «Schreckensvision» (Quelle 072), wo allerdings der Bezug zum «Rad» noch fehlt. Diesen Zusammenhang stellte darauf Charles de Bouelles (Bovillus, Quelle 201) her, als er im Ranft eine völlig misslungene Kopie des Meditationstuches sah. Hinzu kam offensichtlich noch die irrtümliche Assoziation mit einem anderen Bild, in dem ein Fürst jener Zeit mit einer Tiara zur Darstellung von Gottvater abgebildet war (Philipp von Burgund, ab 1504 König von Spanien, bzw. Kastilien-Léon, Enkel Karl des Kühnen von Burgund und Sohn Maximilians I.).
  
Und im 20. Jahrhundert?
• 1947 wurde das Meditationsbild im Kloster Engelberg von Bruder Hermann Keller restauriert. Es wurde ein Bericht angefertigt, der jedoch nicht mehr auffindbar ist. Zuvor wurde vom inneren Medaillon durch Dr. med. Eugen Hess in Engelberg eine Röntgenaufnahme (rechts abgebildet) gemacht. Diese zeigt, dass das «gekrönte Haupt» ursprünglich keinen Bart trug und wesentlich jugendlichere Gesichtszüge aufwies. Ferner waren die Ohren sichtbar. Die Haare waren nicht strähnig sondern hinten gewellt. Besonders gut sichtbar ist im ursprünglichen Gesicht das rechte Auge. Dies bedeutet: In der Mitte befand sich ursprünglich nicht etwas, das als «Gottesantlitz» hätte bezeichnet werden können. Das Haupt wurde offensichtlich bereits übermalt, bevor das Tuch Bruder Klaus geschenkt wurde. Von wem?
• 1980/81: Der Freiburger Professor für Fundamentaltheologie und Dominikaner, Heinrich Stirnimann, verfasste zum Jubiläumsjahr eine umfassende Studie (Der Gottesgelehrte Niklaus von Flüe, Freiburg Schweiz 1981, Dokimion 7, 141ff.). Das Bild wurde zweimal mit Polizeieskorte und Blaulicht herumgekarrt, nach Basel und Zürich. Die Röntgenaufnahmen aus dem Kunstmuseum Basel sind nicht brauchbar (unscharf). Die Untersuchung im Landesmuseum in Zürich ergab lediglich materialtechnische Informationen aber keine über Entstehungszeit und -ort. In der Studie Stirnimanns wird erstmals das oben erwähnte Röntgenbild von 1947 publiziert. Entstehungsort und -zeit des farbigen Tuches ist gemäss Stirnimann höchstwahrscheinlich: Raum Basel – Colmar, 1470–1480, – vermutlich eher zutreffend: 1465–1475, entstanden in Basel, Umfeld von St. Leonhard. – Einen negativen Nebeneffekt haben die Bemühungen Stirnimanns allerdings: Er nahm den Restaurierungsbericht von 1947 aus dem Pfarr-/Kirchgemeindearchiv von Sachseln mit; er wurde nicht wieder an den Archivplatz zurückgebracht; Dr. Pater Rupert Amschwand konnte ihn jedenfalls im Archiv nicht mehr finden. – Das Orignal der Röntgenaufnahme ist ebenso verschwunden, befindet sich aber als positive Abdrucke in den beiden Büchern: 1488 von H. Stirnimann (S. 219) und etwas später im Ergänzungsband von 1487 von R. Amschwand (Tafel XXI). In beiden Prints haben die Abbildungen die gleichen Masse, es wurde beide Male das gleiche Druckmaterial (gerasterte Reproduktion) verwendet. – Wer aber hat das Verschwinden verursacht? Wie konnte das geschehen? Fahrlässig oder absichtlich? Wollte vielleicht jemand eine Wahrheit unterdrücken? Wenn Letzteres zuträfe, dann wäre eine Geschichtsfälschung versucht worden.
  
Referenz: Robert Durrer, Bruder Klaus-Quellenwerk, 745–747, 387–388 – vgl. auch: Rupert Amschwand, Ergänzungsband, 219–223

  

   a)
  
[Brief des Freiherrn von Mörsberg an Abt Joachim von Einsiedeln, z. Z. in Trient am Konzil, 15. April 1562:]
  
S[alus] hochwürdiger Fürst, gnädiger lieber Herr Vater und Gevatter. E.[Euer] G.[Gnaden] schulde ich meinen gehorsamen Dienst, mit ganzem Herzen und zu jeder Zeit, wie zuvor. Ich habe wohl verstanden, e. g. begehren die Geheimnisse meines lieben Bruder Klaus. Demselben Begehren e. g. gedenke ich in Treue nachzukommen, soweit mir Gott die Gnade gibt. E. G. möge ein wenig nachfragen, ob das Mysterium [des Visionbildes von Bruder Klaus] noch nicht untersucht [ventiliert, erörtert] worden ist, denn ich habe es vor vier Jahren einem meinen vertrauten Freunden zugesandt, mit dem Wunsch, es vorzulegen, worüber ich nicht mehr weiss, als es werde in der Sache gearbeitet. Allein ermahne ich e. g. wie immer, das Werk nicht zu verachten, sondern sorgfältig und im Glauben, nicht in der Lüge, den Herrn nicht im Stich zu lassen, sondern seiner Kirche die Apokalypse zu offenbaren. Endlich, endlich wird unser Einsiedler und auch Unterwalden dadurch geehrt und Kraft empfangen, und wie mich dünkt, wurde schon ein guter Anfang erreicht. Amen.
  
Omli [Sebastian Omlin, Sachseln, Landammann von Obwalden] hat mir zwei Bücher der Legende von Bruder Klaus gegeben, jedoch wenig, das der Sache dienlich wäre. Alles ist sehr verdorben. Ich bitte e. g. noch einmal und euren Mitgesandten von Unterwalden [Ritter Melchior Lussy] im Opfer der Messe demütige, gläubige Bitte gegenüber Gott zu tun, zur Ehre von Bruder Klaus und zur Förderung des Geheimnisses. Wahrlich, er will darin gebeten sein, denn er teilt das mit, was er will. Und möge e. g. alle frevelhaften Verdächtigungen und Urteile ausschlagen, welche die einen noch bezüglich meiner Person haben, als ob ich der Erfinder dieser grossen Geheimnisse Gottes wäre -, der den Geist des Glaubens auslöscht und Rache und Plage fördert, worüber viel zu sagen wäre. Man glaube mir doch um Gottes Willen, es vollbringt ein besonders guter Geist etc., wie es e. g. zu tun wohl weiss. Bitte e. g. um Verzeihung meiner alten, gewohnten Frechheit und Freiheit, die ich doch allein gegenüber meinen vertrauten Freunden gegenüber gebrauche. Wünsche hiermit e. g. eine leichte Zeit bei dem heiligen Konzil.
  
Datum: Einsiedeln, den 15. April 1562.
  
[Notiz auf der Rückseite von der Hand des Abtes:] Freiherr zu Einsiedeln im 62. Jahr wegen Bruder Klaus.
   
b)
  
[Zweiter Brief Mörsbergs an den Abt, 9. Mai 1562:]
  
S[alus] hochwürdiger Fürst, gnädiger lieber Herr Vater und Gevatter. E. G. jüngstes Schreiben (deum testor) hat mich und mein ganzes Haus sehr wohl erfreut, mit rechter inniger Freude des Herzens, die allein von oben herab kommt, die nicht abnimmt sondern zunimmt, aber hier nie, nie vollkommen wird wegen dem sterblichen Leib.
  
Ursache meines Frohlockens ist allein e. g. Person, weil sich dieselbe als mein Prälat und nächstes Haupt in Christus und der Kirche, doch einmal gegen mich Armen erweist, so dass ich merken und erkennen kann, dass es Ihr Ernst ist, dass Ihr Euch mit Gottesfurcht und mit guter Umsichtigkeit der Apokalypse annehmen und mit Hilfe und Beistand Eures Mitgesandten aus Unterwalden vorbringen wollt und damit das Mysterium (wie es sonst gewiss hätte geschehen müssen) nicht durch andere Hände traktiert wird. Es soll weitergehen, damit ich und mein geliebter Eremus [Eremit Bruder Klaus], da mir so gutes widerfahren ist, länger beisammen bleiben mögen in solcher Freude, die noch nicht vollkommen ist.
  
E. G. kann ich für dieses Mal nicht schicken [beichten], aber bald hernach (bei einem Priester, dem ich vertraue). Allein, ich stehen bei e. g. fest auf dem rechten Fuss, besonders wenn Ihr das Opfert in der Messe. Genauso tue es der Gesandte von Unterwalden im guten und treuen Gedenken des teuren Mannes Gottes, Bruder Klaus, damit dieser als der zweite Elias hervortrete und nicht länger mit dem Zorn Gottes unter der Bank liegen bleibe, wie es e. g. und der Mitgesandte ohne Zweifel zu tun wisst. Lebt wohl, d. re. [dominus reverentissimus, hochwürdiger Herr], Vater in Christus, möge er mich erlösen!
§Datum: Einsiedeln, den 9. Mai anno etc. 62.
  
Ich bitte, e. f. g. möge es mich wissen lassen, ob der Gesandte des Herzogs von Württemberg auch da sei.
  
E. G. [Euer getreuer] Sohn H. Jacob Maurimontanus [Morimund, Mörsberg].
  
Es grüsst Dich ergebenst und Dank sagend die Ehefrau.
  
Grüsst mir auch wiederum sehr den Mitgesandten!
  
[Adresse:] Meinem g. l. [gnädigen lieben] Herrn Vater und Gevatter von Einsiedeln.
  
[Notiz auf der Rückseite von der Hand des Abtes:]
    
c)
  
[Brief von Kardinal Otto Truchsess von Waldburg an Abt Joachim in Einsiedeln vom 26. September 1562. – Übersetzung aus dem Lateinischen von Robert Durrer]
  
Aufrichtige Liebe im Herrn, ehrwürdiger und frommer in Christo uns herzlich lieber Freund. Wir haben Eure Briefe zugleich mit den Mysterien und Prophezeiungen eures Nikolaus von Unterwalden vor zwei Tagen erhalten. Dafür sagen wir Euch hiermit nicht bloss grösstmöglichen Dank, sondern halten es für viel wichtiger, selber auszurichten, sobald sich hierzu eine Gelegenheit bietet und Ihr dürft uns durch diese Gabe zum Eifer, sie auch zu verdienen verpflichtet halten. Wir werden jene Gemälde, durch Holzschnitte und zwar mit Erklärungen, wodurch sie den Beschauern verständlicher werden, sofort verbreiten lassen und bei nächster Gelegenheit den Theologen zur sorgfältigen Untersuchung übergeben und auch selber, soweit es uns die Fülle der Geschäfte erlaubt, alle Geheimnisse und Gründe sorgfältig abwägen. Und wenn wir aus unserer Untersuchung irgend ein Resultat erreicht haben, werden wir es Euch mit nächster Gelegenheit kundtun. Damit empfehlen wir uns zu ganzem Wohlwollen und Zuneigung. Gegeben zu Rom am 26. September des Heilsjahres 1562.
  
Euer ergebenster Freund
  
Otho, Kardinal von Augsburg.
  
Unserm ehrwürdigen und frommen Freunde, dem von uns in Christo herzlich geliebten Herrn Joachim, Abt des Klosters Einsiedeln im Schweizerland.
  
d)
  
[1608, 30. Juni – Protokoll des Nidwaldner Wochenrates zum Meditationsbild, dem Tuch]
· Betreffend Prozession nach St. Jakob in Ennetmoss wegen dem [wieder]gefundenen Tuch sollen meine Herren erwarten, dass unsere geliebten Landsleute ob dem Kernwald von uns dies begehren werden, was meine Herren ihnen nicht abschlagen können.
  
[1609, 1. Juli – Protokoll des Nidwaldner Wochenrates zum Meditationsbild, dem Tuch]
· Herrn Landvogt Stulz ist die Anordnung auferlegt worden, dafür zu sorgen, dass das Tuch, das aus dem Ranft von Bruder Klaus stammt und durch Herrn Ammann Waser nach Baden gegeben wurde, mit Nachdruck durch Mitwirkung Herrn Ammann Wasers wieder zu meinen Herren [zurück]komme.
  
[1610, 30. Juli – Protokoll des Nidwaldner Wochenrates zum Meditationsbild]
· Auf Begehren der Bewohner von Ennetmoos wollen [sollen] meine Herren das Geheimnis des bittern Leidens und Sterbens unseres Herrn, das Bruder Klaus hatte abmalen lassen, das sich im Hause von Herrn Ammann Waser selig befand, auf Freitag nach Ennetmoos entlehnen …
  
[1610, 4. September – Protokoll des Nidwaldner Wochenrates zum Meditationsbild]
· Man solle das Geheimnis und die Bedeutung desselben [des Meditationsbildes] aus der lateinischen Sprache [von J. J. Eichhorn] ins Deutsche übersetzen. [Späterer Zusatz, der nach der Einfassung unten hingesetzt wurde, siehe unten unter e) – nach Rupert Amschwand handelt es sich dabei um das Intentum sive Schema von Hans Jakob Mörsberg, welches von Eichhorn abgeschrieben wurde (Erg, 223)]
  
[1611, 11. Januar – Protokoll des Nidwaldner Wochenrates zum Meditationsbild]
· Das Mysterium [Meditationstuch] des seligen Bruder Klaus sei einzufassen, gemäss dem Wunsch meiner Herren, es durch einen Meister auf das Schönste einfassen zu lassen, in der guten Hoffnung, dass die Genossen in Stans sowie andere gute Leute es an Beisteuerung und Handreichung nicht mangeln lassen.
  
[1611, 28. November – Protokoll des Nidwaldner Wochenrates zum Meditationsbild]
· [Mahnung an den Tischlermeister Hans Stuntz, der seine Arbeit offensichtlich hinauszögerte] … dass er das Werk zu Ennetmoos mit der Tafel (taffellen) vollenden solle, damit der Maler nicht aufgehalten (nicht gesumbt) werde …
  
e) Bildlegende unter dem 1611 als «Tafel» eingefassten Meditationstuch, damals in St. Jakob, Ennetmoos [Die Erwähnung der geheimnsivollen Erscheinung, welche angeblich dem Bild zu Grunde gelegen haben soll, geht auf das Elaborat Mörsbergs zurück, siehe oben unter d, 1610]:
  
Dieses echte Exemplar
Dem seligen B. Klaus zwar
Geheimnisvoll erschienen ist
Vor dem er zu jeder Frist
Andächtig gebetet hatt’
Ungefähr 70 Jahre lang verloren war
Durch die Kapuziner herbeigebracht
In einer Prozession mit Andacht
Herrlich an seinen Ort getragen war
Als man zählte 1608 Jahr.
  
f) [Kanonisationsprozess 1647, Durrer 389, siehe auch: Quelle 307]
  
Melchior von Büren: In der Kapelle St. Jakob [Ennetmoos, Nidwalden, wo er wohnte] sei ein grosses gemahltes Tuch (ein groß gemahltes tuoch), das von Bruder Klaus stamme und darum in Ehren gehalten werde.
  
Ulrich Barmettler: Es werde jährlich am 2. Juli eine grosse Prozession dorthin [St. Jakob in Ennetmoos] wegen einer auf Tuch gemahlten Vision (wegen eines Gesichts) oder Erscheinung (Apparation), die Bruder Klaus erschienen war, und das sich früher befand.
  
[1654] Melchior von Flüe: Ein Freiherr [um 1558, Jakob von Mörsberg] habe das Gemälde des Rades, als es noch in der Kirche [in Sachseln] zu sehen war unter dem Vorwand, es abmalen zu lassen, zu sich genommen und behalten, bis er auf das Totenbett gelangte, dann sei das Gemälde aus Antrieb des Gewissens wieder nach Sachseln geschickt.
    
  
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