Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Quellen - Bruder Klausund Dorothea
  
  
Der schwermütige Schultheiss von Luzern
  
Quelle Nr. 008

  

  
Zeit: 17. und 24. Januar 1474
  
Herkunft: Staatsarchiv Luzern, Akten Ziviljustiz
  
Kommentar: Heinrich von Hunwil, aus einem bedeutenden Patriziergeschlecht Luzerns begann als 26jähriger 1449 eine bedeutende politische Karriere. 1473 kamen Gerüchte über ihn in Umlauf bezüglich unehrlicher Machenschaften. Diese Anschuldigungen wurden am 29. Oktober durch den Rat der Stadt jedoch völlig entkräftet, und am 27. Dezember wurde er sogar zum 12. Mal wieder in sein Amt gewählt. Es konnte jedoch nicht vergessen, und so nagten die Gerüchte an seiner psychischen Gesundheit. Heinrich von Hunwil bekam immer mehr das Verhalten eines Skrupulanten und Paranoikers (Verfolgungswahn). Das Leiden verschlimmerte sich sehr rasch. – Das vorliegende Dokument - ein Auszug aus dem Erbrechtprozess von 1474 – ist das erste historische Zeugnis, dass Bruder Klaus in einem Krankheitsfall um Hilfe angegangen wurde. Der Pfarrer von Horw beging wohl einen Fehler, dass er sich als Vermittler einschaltete und dem Kranken nicht riet, selbst Bruder Klaus aufzusuchen. – Das Unheil war jedoch nicht aufzuhalten, der kranke Schultheiss starb am 18. August 1474
  
Referenz: Robert Durrer, Bruder Klaus-Quellenwerk, 54–55

  

   Vor dem Ratsrichter Hans Helmli haben meine beiden Herren, die Leutpriester von Horw und von Kerns, unter Eid ausgesagt und bezeugt, obwohl sie einwandten, sie dürften nur ihren kirchlichen Oberen gegenüber schwören. Der Priester von Horw sagte, es sei am Dienstag nach dem 22. Tag vor einem Jahr gewesen [am 17. Januar 1474], als das Kapitel [Vierwaldstätterdekanat] in der Kapelle [Peterskapelle] tagte, da sei der «von Hunwil selig» [der Bürgermeister von Luzern] dahergekommen und habe ihn aus der Kapelle herausgeführt, zur Brücke hin, er sei völlig verstört gewesen und habe ihn gebeten, er solle für ihn zu Gott beten, er gebe ihm dafür einen Gulden, damit er [nach seinem Tod] für ihn den Dreissigsten halte. Das habe er auch versprochen, zugleich habe er ihm von einer Sache erzählt, für die er ihn zum Stillschweigen verpflichten wollte. Da bat er ihn mit grossem Ernst, er solle doch für ihn wegen dieser Sache zu Bruder Klaus gehen, ihm diese genau darlegen, ihn um Rat fragen und ihn bitten, dass er für ihn vertrauensvoll zu Gott bete. So sei er zu Bruder Klaus gegangen, und als er dann wieder von Bruder Klaus heimkehrte, hätte er es dem von Hunwil ausrichten lassen. Da sei er sofort mit seinem Knecht Peter Bürkli zu ihm hinaus nach Horw gekommen. Unter den Augen auch des Leutpriesters von Kriens und von Peter Bürkli habe der von Hunwil angefangen, ganz vernünftig zu reden, und dankte ihm sehr für seinen grossen Dienst. Dann führte er ihn allein in die Stube, und da fing der von Hunwil an: «O weh, o weh, es ist eine Schande, was ich alles getan habe, weshalb es mir jetzt so schlecht geht. Ich traue mich nicht mehr heimzugehen …» Er fiel sich selber in die Haare und machte solche Gebärden, dass man meinen musste, er sei völlig von Sinnen. Unterdessen kamen Peter und der Leutpriester herein und versuchten ihm mit guten Worten zu helfen. Aber sie mussten abbrechen, es half alles nichts. Er wollte tatsächlich nicht mehr heimgehen und blieb draussen im Freien liegen. Da sprach ihn Peter Bürkli an: «Herr, Ihr müsst jetzt heim.» Da stand er auf und ging mit Peter heim.
    
  
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