Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Mystik und Mathematik · Analyse der Radskizze
  
Radskizze verfremdetDie Radskizze, die oft Bruder Klaus zugeschrieben wird, jedoch eindeutig vom unbekannten Pilger stammt, enthält ein für das ausgehende Mittelalter erstaunliches Konzept in einer Mischung aus Theologie, Philosophie und Mathematik. Der Autor des Buches «Bruder Claus» (Augsburg um 1488), in dem die Skizze erstmals auftaucht, ist höchstwahrscheinlich Heinrich Gundelfingen, Chorherr von Beromünster, Professor für Rhetorik (Freie Künste) in Freiburg im Breisgau, zu dessen Pflichten auch das Dozieren in der Mathematik gehörte. Erstaunlich ist besonders, wie mathematische Elemente metaphorisch in geradezu mystischer Weise dargeboten werden. Und ebenso erstaunlich ist, was sich daraus ableiten und dann anderweitig anwenden lässt. Am Ende sind die Erkenntnisse nicht nur für die Theologie relevant sondern auch für die philosophische Anthropologie und sogar für die Ethik.
  
Verzeichnis
  
  1. Quadrat, Kreise, Speichen (Vektoren, Wege)
  
  2. Mathematische Theologie» bei Nikolaus von Kues (gest. 1464)
  
  3. Relationen · Bausteine des Lebens
  
  4. Ein relationales Person-Modell
  
  5. Motivationen · Wege der Seele · Wege der Ethik
  
  
  Das Symbol der Lilie (6-strahlige radiale Symmetrie)
  
  Das Sachsler Meditationstuch (6-teilig)
  
Die Teile 1. und 2. sind Bestandteile in meiner Doktorarbeit von 1981: «Der göttliche Spiegel – Zur Geschichte und Theologie des ältesten Druckwerks über Bruder Klaus und sein Meditationsbild», Bern 1981, Europäische Hochschulschriften XXIII, 164.
  
Die Ideen der übrigen Teile haben ihren Anfang in meinem Studium, in: Theologie, Philosophie und Psychologie. Sie waren auch thematisch relevant in der mündlichen Lizentiatsprüfung im Fach Ethik (Moraltheologie) bei Professor Dietmar Mieth, 1980, an der Universität Freiburg Schweiz. Prof. Mieth beschäftigt sich auch mit Themen der Mystik (besonders Meister Eckhart).
  
Werner T. Huber, Dr. theol.
  
Abbildung: Beim Betrachten der Radskizze kann die Fantasie auch noch das Ihre beitragen. Was da unter anderem möglich sein könnte, zeigt eine Verfremdung mit einer digitalen Bildbearbeitungs- Software. Eine kosmische Erscheinung am Himmel? Oder eine Vergrösserung unter dem Raster- Elektronenmikroskop? – Was Wunders also, wenn die Betrachter allerlei Schönes oder Schreckliches erleben! Aber Bruder Klaus – so sensibel und fantasiereich er auch war – betrachtete sein «Buch» in nüchterner Bodenständigkeit, er fand darin keinen Schrecken, keine Furcht, dafür umso mehr Ehrfurcht vor Gott und Mitleiden mit allen Menschen. Wie oben bereits erwähnt, kannte Bruder Klaus diese Radskizze überhaupt nicht sondern nur das farbige «Tüechli». Dieses Sachsler Meditationstuch ist ohne Einfluss des Einsiedlers entstanden und hat eigentlich auch nichts mit einem Rad zu tun. Die diesbezügliche Interpretation (Assoziation) stammt vom Urheber des Pilgertraktats.
  
Anmerkung: Ist der so genannte «Pilgertraktat» (
Quelle 048), wie bereits der Bruderklausenforscher Robert Durrer um 1921 vermutete, lediglich eine literarische Fiktion? Und nur zwei Quellen sagen etwas aus über eine allenfalls vor­handen gewesene Radskizze: eben dieser Pilgertraktat in den zwei äl­tes­ten, gleichzeitigen Ausgaben und die poetisch gehaltene Biografie von Heinrich Gundelfingen über den Einsiedler im Ranft (Quelle 052). 1488 sind drei verschiedene Varianten dieser Skizze vorhanden. Welche hätte dann Bruder Klaus besessen haben können? Besass er wirklich eine derartige Skizze? Hier die theologisch historische Beweiskette:
  
Im Gutachten zu meiner Dissertation, «Der göttliche Spiegel» (1981), schrieb mein Doktorvater, Josef Siegwart, ordentlicher Professor für Kirchengeschichte an der Universität Freiburg Schweiz diesen Satz: «Aber eigentlich insinuiert der PT [Pilgertraktat] eine veraltete Trinitätslehre, nämlich das Ausgehen der drei Personen aus der ungeteilten Gottheit, was man seit dem Konzil von Florenz nicht mehr hätte lehren dürfen». In der Bulle «Cantate Domino» hält das Konzil in Florenz 1442 (bzw. 1441 nach florentinischer Zeitrechnung) fest, dass die drei Personen nicht aus einem gemeinsamen Ursprung hervorgehen. Vielmehr ist in einer Hierarchie der Vater der Ursprung, der Sohn geht aus dem Vater hervor und ist Ursprung vom Ursprung, beide Personen sind sodann nicht zwei Ursprünge sondern zusammen der Ursprung für den Heiligen Geist (Denzinger 1331). Gegenteiliges anzunehmen oder sogar zu lehren wird entschieden verworfen und mit dem Anathem (Kirchenbann, Denziger 1332) belegt.
  
Beide geistlichen Berater des Einsiedlers Niklaus von Flüe, Oswald Issner (Pfarrer von Kerns) und Heimo Amgrund (Pfarrer von Kerns und später von Stans) mussten über diese Sachlage Bescheid gewusst haben. Sie hätten gewiss interveniert, wenn Bruder Klaus eine «ver­werfliche» Lehre gedacht und geäussert hätte. Dies legt nahe, dass die entsprechenden Worte vom Ausgehen der drei göttlichen Personen aus der ungeteilten Gottheit nicht von Bruder Klaus stammen sondern ihm vom Autor des Traktats in den Mund gelegt wurden (Erklärung der Figur, welche das Aussehen hatte wie ein Rad). Auf diesen Worten basiert aber die Radskizze. Die seit 40 Jahren oft fälschlicherweise und mit manchem Unfug verbunden dem Einsiedler zugeschriebene Skizze gab es über­haupt nicht sondern eben nur das farbige Tuch. Die Skizze ist die Erfin­dung von Heinrich Gundelfingen zum Zwecke des Ver­suchs ein Konzept zu ergründen, die Worte sind seine eigene Meinung.
  
Das farbige Tuch basiert aber keineswegs auf der Idee bezüglich der Figur, wie sie im Pilgertraktat beschrieben wird. Wenn das Haupt im Zentrum eben nicht die Gottheit selbst darstellt sondern den Menschen als Spiegelbild Gottes, ist das Tuch frei von Häresie. Heute würde man es als Mindmapping bezeichnen, das seine Wurzeln in der Devotio Moderna hat.
  
Gestaltung und Beschaffenheit der Skizzen erbringen eine weitere Beweiskette. Diejenige in Gundelfingens Biografie ist wohl die ur­sprüngliche, sie wurde mit einem Zirkel gezeichnet. Der Mittelpunkt ist hier lediglich der Nadeleinstich, der einen Krater hinterlassen hat. Die Skizze in der Nürnberger Ausgabe ist als Holzschnitt seitenverkehrt zur Skizze Gundelfingens. Die Augsburger Skizze ist eine abstrakte Dar­stellung des ganzen farbigen Tuches. Der eingezeichnete Mittelpunkt ist wohl ein Missverständnis. Waren nun beide Herausgeber des gedruckten Pilgertraktats, Peter Berger und Markus Ayrer, Studenten der Freien Künste bei Professor Gunddelfingen an der Universität Freiburg im Breisgau? Die ersten Drucker hatten eine zumindest einfache aka­de­mische Bildung absolviert. Haben sie eine lateinische Vorlage oder die Mitschrift einer Vorlesung auf damals gebräuchliche deutsche Dialekte übersetzt und gedruckt sowie als Endredaktoren den Text leicht bearbeitet? Beide hätten dann auch mit einem Zirkel umgehen können. Das trifft alles zu. Die Holzschnitte der Skizzen waren hingegen Hand­arbeit. Beide Ausgaben entstanden fast gleichzeitig, 1488
   
  
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Bruder Klaus · Niklaus von Flüe · Flüeli-Ranft · Schweiz
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