Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Bruder Klaus und Buddha
     
Ein gewagter Vergleich?
  
  
Bruder Klaus - M. Barraud Kopf von Buddha
  
Bruder Klaus und Gotama [Siddhartha], alias Buddha – ist ein Vergleich mit diesen beiden historischen Persönlichkeiten überhaupt sinnvoll? Trennen die beiden nicht vielmehr Welten?
  
Sicher, zwischen der Lebenszeit der beiden liegen 2000 Jahre. Ihre Umwelt war geprägt von verschiedenen Kulturen, Weltanschauungen, Religionen. Dennoch könnte die Frage nach dem Gemeinsamen in wenigen Punkten erstaunliche Antworten freisetzen.
  
Im Alter von 50 Jahren (für die damaligen Verhältnis bereits ein alter Mann) verliess Niklaus von Flüe seine Frau und seine zehn Kinder, um Gott zu suchen, als Pilger in der Welt umherzuziehen, um Wallfahrtsorte aufzusuchen.
  
     Gotama [Siddhartha] verliess noch als junger Mann seine Frau und sein Kind, um als Asket seine Erlösung aus dem Leiden des Erdendaseins zu finden.
  
Niklaus scheiterte mit seinem Vorhaben und kehrte um, liess sich darauf in der Schlucht der Melchaa im Ranft (nur gerade 10 Minuten Fussweg vom Haus der Familie) als Einsiedler nieder. Sein Hang zur Askese, bzw. Nahrungslosigkeit, war ihm angeboren und keineswegs gesucht.
Gotama scheiterte mit seinem Vorhaben, seinen Lebensinhalt in der Askese zu finden. Er erkannte, dass es sich hierbei verhält wie bei den Saiten eines Musikinstruments: Wenn sie zu locker gespannt sind, können keine guten Töne entstehen; werden sie jedoch zu stark gespannt, reissen sie.
  
Niklaus, oder Bruder Klaus, wie er jetzt hiess, zog sich in die Einsamkeit zurück, lebte als Einsiedler, wurde von vielen Menschen als Ratgeber und Vermittler in Streitigkeiten aufgesucht. – Um Bruder Klaus scharten sich keine Gefährten ausser einem deutschen Priester, Bruder Ulrich. Später versuchten vereinzelte Einsiedler sich im Ranft niederzulassen, darunter auch der Enkel von Bruder Klaus, Konrad Scheuber aus Altsellen (Nidwalden). Anders verlief es bei Gallus, der aber bereits aus einem irischen Kloster stammte, zunächst jedoch als Einsiedler im Tal der Steinach lebte und als Gründer des nach ihm benannten Klosters St. Gallen wurde. Nochmals anders war es in der ausgehenden Antike im Jura. Roman von Condat (Romain de Condat, geboren 390) lebte zuerst als Eremit, um den sich jedoch bald Gefährten scharten, lange vor Benedikt gürndete er mehrere Klöster, unter anderem auch das älteste Kloster auf heutigem Schweizerboden: Romainmôtier (Romansmünster).
  
Der ehemalige Prinz Gotama, lebte als Einsiedler, wurde aber von vielen um Rat gefragt. Schliesslich scharte sich eine Jüngergemeinde um ihn. – Buddha war Gründer einer Weltreligion. Seine Spiritualität beinhaltete als Ziel den Ausstieg aus den Schrecken des Rades der Wiedergeburt, Erlösung aus dem ewigen Leiden. So wurden Buddha und seine Lehre sehr beliebt. Spätere Mischformen mit dem Polytheismus (Glauben an Götter und Geister) führten den Glauben an die Wiedergeburt wieder ein.
Wesentlicher Lebensinhalt von Bruder Klaus war die Meditation der Passion Jesu, in dem nach christlichem Glauben allein die Erlösung zu finden ist. So wurde er von schweren Depressionen befreit, an denen er vorher litt. Dies lehrte ihn ein befreundeter Priester, Oswald Issner oder Heimo Amgrund (beide Weltpriester).
Die 15 Passionsbetrachtungen des Eremiten sind den 15 Passionsgebeten der Birgitta von Schweden sehr ähnlich. Ähnliches finden wir auch in der Devotio Moderna.
  
Lebensinhalt Gotamas war die sich in das eigene Selbst versenkende Meditation (Imagination). Die Erlösung sei nur darin zu finden. Erlösung von was? Von allem Leiden, das er in seiner Jugend bei seinem Volk sah und das nicht zuletzt auch durch eine verkehrte Einstellung zum Leben (sprich: Weltanschauung, Religion) verursacht war, denn die Lehre vom endlosen Kreislauf des Lebens als ewige Seelenwanderung wurde im Osten immer als schwere Last empfunden. Um den Kreis zu durchbrechen und sich zu befreien, um erlöst zu werden, muss der Mensch meditierend in sich selbst Einkehr halten und zu einem Erleuchteten (= Buddha) werden. So wurde aus Gotama «Buddha».
  
In einer Vision, in der ihn Gott in der Gestalt eines Pilgers besuchte, erkennt Bruder Klaus, dass die grösste Tugend der Christen, das Erbarmen, das Mitleiden, die Barmherzigkeit, die Nächstenliebe ist. In seiner Zelle befand sich zudem ein Bild, welches zur Ausübung der Werke der Barmherzigkeit mahnte.
  
Bevor Gotama Asket und dann Einsiedler wurde und als privilegierter Fürstensohn im höchsten Wohlstand lebte, erkannte er einestages, dass der tiefere Sinn des Daseins im Mitleiden besteht. Diesen zentralen Gedanken dominierte sein weiteres Leben ganz und war die Ursache seines Charismas, seiner starken Ausstrahlung, seiner grossen Beliebtheit bei seinen Zeitgenossen und weit darüber hinaus. – Ein klein wenig dürfte es hier eine Parallele geben in unsere Zeit hinein zur englischen Prinzessin Diana: Das Geheimnis ihrer Beliebtheit, ihres Charismas war das Mitleiden.
  
Bruder Klaus gilt als grosser Friedensstifter, auch weit über seine Zeit hinaus. Er sagte: Gott ist der Friede (vgl. Mich 5,4; Eph 2,14: der von Gott Gesalbte ist der Friede). Der Friede kann nicht zerstört werden, aber der Unfriede wird zerstört (Brief an den Rat von Bern, Quelle 031).
  
Zentral in der Lehre Buddhas ist die radikale Forderung nach Gewaltlosigkeit. Dem äusseren Friede geht der innere Friede voraus. Friede ist gleichbedeutend mit Erlösung und Erleuchtung.
Bruder Klaus ergibt sich vorbehaltlos in den Willen Gottes. Besonders eindrücklich wird dies der Nachwelt vermittelt in der Wolkenvision (Sachsler Kirchenbuch, Quelle 053). Ein solcher Mensch ist wörtlich genommen ein «Muslim» (arabisch, مسلم ), entsprechend dem Patriarchen des Glaubens, Abraham (Ibrahim). Die Religion Buddhas enthält keinen ausdrücklichen Gottesbezug.
  
 
  مسلم = Muslim
  
  
Mehr über das aktive innere Mitleiden bei Bruder Klaus
  
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